Über die Schreibdisziplin

Ich bin ehrlich: Ich gehe durch Phasen im Leben, in denen ich viel schreibe und Phasen, in denen ich gar nicht schreibe.

Ich arbeite in Vollzeit, da bleibt also vornherein nicht so viel Zeit übrig. Ich bin keine von den Schriftstellerinnen, die morgens eine Stunde früher aufstehen, um schreiben zu können. Klingt traurig, ist aber wahr: für mich Schlafmütze ist jede Minute, die ich morgens länger im Bett verbringen kann, kostbar. Also bleiben nur die Abende.

Aber: Ich bin verheiratet, und das noch gar nicht so lange. Abends möchte ich mit meinem Mann Zeit verbringen, und zwar nicht nur stumm neben ihm auf der Couch vor dem Fernseher sitzen. Und ich habe Freunde, die ich gerne sehe. Außerdem lerne ich gerne neue Dinge. Neulich habe in einen Onlinekurs (ein MOOC) gemacht. Das war toll, aber zeitaufwendig. Dafür verstehe ich jetzt mehr von Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen. Könnte irgendwann mal nützlich werden. Und ich habe für ein paar Wochen mein Gehirn mehr angestrengt als sonst, das war das Wichtigste. Zum Schreiben blieb allerdings nicht mehr viel Zeit.

Was ich außerdem gemerkt habe: Ich muss einigermaßen ausgeglichen sein, um gut schreiben zu können. Und ich muss Energie haben. Denn: Schreiben zehrt an meiner Energie. Es strengt an und macht müde. Schreiben wühlt auf. Wenn ich kurz vor dem Zubettgehen schreibe, fällt mir das Einschlafen schwierig, weil Geschichten und Charaktere in meinem Kopf herumspinnen. November war in meiner Abteilung im Buero der hektischste Monat des Jahres. Abends war ich völlig erschöpft – die Energie zum Schreiben fehlte.

Wenn ich mir die obigen Paragraphen durchlese, dann klingt es ein bisschen quengelig, aber so ist es nicht gemeint. Ich suche es mir schließlich selber aus, wie ich meine Freizeit verbringe. Wenn ich in einer Phase bin, in der ich schreibe, dann recherchiere/schreibe/überarbeite ich jeden Abend. Mehrere Stunden lang, mit einer kurzen Pause zum Abendessen. Ich kann mich kaum von dem Text trennen. Zu unerwarteten Zeitpunkten fallen  mir neue Ideen ein. Zugegeben, manchmal ist die Arbeit langwierig und ich komme kaum voran, aber meistens macht es wahnsinnigen Spaß und ich bin völlig versunken in der Welt meiner Geschichte. Ich glaube, man nennt das auch den Flow. Aber für immer hält diese Phase eben auch nicht an.

Ich weiß: ideal ist das alles nicht. Um eine kohärente Geschichte zu schreiben, müsste ich am besten jeden Tag bei der Sache sein. Aber so funktioniere ich nun einmal nicht. Und die Art, auf die ich schreibe, bringt mir die meiste Erfüllung und den meisten Spaß. Das ist ja schließlich auch wichtig, oder?

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