Ich und mein Kindle

Neulich habe ich mich bei einem working lunch  mit Kolleginnen über E-Book-Reader unterhalten. (Weil E-Book-Reader so sperrig klingt, werde ich jetzt für den Rest des Blogeintrags einfach Kindle schreiben.) Meine Gesprächspartnerinnen waren allesamt skeptisch. Ihre Argumente gegen den Kindle kann ich gut verstehen, schließlich habe ich vor gar nicht allzu langer Zeit auch noch so gedacht. Bis ich im letzten Sommer mit meiner Mutter auf Urlaubsreise war und sehen konnte, wie toll es ist, ein Dutzend Bücher oder mehr auf einem kleinen, leichten Lesegerät dabei zu haben.

Hier also die Argumente meiner Kolleginnen und ein paar kurze Gedanken, die ich mir dazu gemacht habe:

1. Echte Bücher sehen toller aus und fuehlen sich besser an.

Ja, das stimmt auf jeden Fall. Aber es ist einfach fantastisch, einen ganzen Stapel von Büchern im elektronischen Format jederzeit dabei zu haben. Für mich ist die Tatsache, dass ich überall lesen kann, wichtiger als die Frage, wie das Buch denn aussieht. Wie Kathrin Passig in der ZEIT schreibt: „ich [kann] auch noch die winzigsten Wartezeiten mit Lektüre ausstopfen“. Dazu kommt noch, dass sich bei uns zu Hause Berge von Büchern angesammelt haben, für die wir einfach keinen Platz haben. Der Kindle löst dieses Problem, obwohl ich auf Bücherregale im Wohnzimmer auf keinen Fall verzichten möchte. Zum Glück ist mein Mann ein „echte-Bücher-Leser“, so wird also immer Nachschub an diesen in unser Haus kommen. Ach, und außerdem: der Kindle sieht vielleicht langweilig aus, aber ich kann ihn mit nur einer Hand halten – unschlagbar beim Lesen im Bett oder auf dem Badetuch am Strand!

2. Der Kindle ist der Untergang der Buchhandlungen.

Hmmm. Ja. Stimmt vielleicht, aber für mich selber kann ich sagen: Ich habe auch früher nie so viele Bücher gekauft. Ich lese viel – mehrere Bücher pro Monat. Wenn ich die alle kaufen wuerde, wäre mein Portemonnaie ganz schoen leer. Also habe ich mich für Nachschub an Lesestoff immer eher auf Bibliotheken verlassen. In Buchhandlungen halte ich mich natürlich immer noch gerne auf und  kaufe übrigens immer noch ein, und nicht viel weniger als früher: Reisefuehrer, Comics, Kochbücher, Bastelbücher, … eben alles, was auf dem schwarz-weiß Display des Kindles nicht so gut aussieht. In die Bibliothek gehe ich seltener, zugegeben, was aber vielleicht auch damit zusammenhängt, dass unsere Stadtbibliothek in den letzten Jahren umgebaut wurde und nur sehr beschränkte Öffnungszeiten hatte. Die neue Bibliothek ist jetzt offen und ich war bei meinem ersten Besuch begeistert – werde also ganz sicher oefters wiederkommen.

3. Der Kindle verändert unser Leseverhalten und filtert, was wir lesen.

Hmmm. Stimmt. Ich lese mehr Klassiker, weil umsonst. Schlecht finde ich das aber nicht! Ich werde langsam aber sicher sogar zum Jane Austen-Fan (Tipp: Northanger Abbey)! Außerdem: Ich lese weniger deutsche Bücher, weil sie im britischen Kindle-Shop gefühlt teurer sind als die englischen Bücher. Wenn ich ein Buch für den Kindle kaufe, dann ist es meistens ein „Schnäppchen“, zum Beispiel einer von den daily deals, oder ein Buch, dass ich schon länger lesen wollte und das jetzt ermäßigt angeboten wird.

Manchmal frage ich mich schon, wie die Zukunft des Lesens aussieht. Darueber, dass ein gewisser Online-Buchhändler sehr, sehr viel über mein Leseverhalten weiss, denke ich lieber nicht nach. Andererseits habe ich neulich im Guardian gelesen, dass Jugendliche echte Bücher den E-Books vorziehen – gedruckte Bücher sind also ganz sicher nicht dem Untergang geweiht.

Und das Fazit? Für mich ist das unschlagbarste Argument einfach, dass ich alle Bücher immer und überall dabei habe. Ich lese, wie gesagt, viel und zudem immer mehrere Bücher gleichzeitig. Und meine Handtaschen sind alle klein und schon so schwer genug von all dem Kram, den ich täglich mit mir herumschleppe! Echte Bücher finde ich immer noch toll, aber eben nicht so praktisch. Gerade lese ich übrigens – abends im Bett vor dem Schlafengehen – wieder die Unendliche Geschichte von Michael Ende. Meine Ausgabe hat mir meine Oma in den achtziger Jahren geschenkt. Die Unendliche Geschichte gibt es auch heute nur als „echtes“ Buch. Und das ist auch gut so.

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Ein Kommentar

Eingeordnet unter Über das Lesen

Eine Antwort zu “Ich und mein Kindle

  1. packingbooksfromboxes

    Im Buchhandel wird das Ganze auch immer wieder diskutiert, aber man kann seinen Buchhändler des Vertrauens durchaus auch im E-Book Bereich noch unterstützen, denn die meisten können inzwischen auch E-Books bestellen und damit auch ein wenig verdienen. Dabei ist dann letztlich nur wichtig, welches Lesegerät man hat. Der Kindle ist nämlich leider nur mit Dateien von amazon zu füttern, was dem Buchhandel dann natürlich schon schadet. Die meisten anderen Geräten sind aber Anbieterunabhängig und lesen alle gängigen Formate.
    Ich kann alle Argumente total gut nachvollziehen, aber bisher habe ich mich irgendwie noch nicht dazu durchringen können, mir ein Lesegerät anzuschaffen- mir fehlt das Geheimnisvolle und Emotionale, obwohl das auf Dauer sicher auch einfach Gewohnheitssache ist.

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