Carlos Ruiz Zafón, The Prisoner of Heaven

[Achtung: milde Spoiler!]

Barcelona

Dieses Buch gehört zu der „Schatten des Windes“-Tetralogie, von der bisher drei Bände veröffentlicht worden sind. Ich hatte im Dezember den Schatten des Windes (wieder) gelesen und mir anschließend, hellauf begeistert, das jüngeste Buch in der Reihe gekauft, nämlich The Prisoner of Heaven (auf Deutsch Der Gefangene des Himmels). Zwischen diesen beiden Bänden hat Zafon auch noch Das Spiel des Engels veröffentlicht, sagt aber ausdrücklich, dass man die Bücher nicht in dieser Reihenfolge lesen muss. Interessantes Konzept.

Der Gefangene des Himmelsl spielt einige Jahre nach den Ereignissen im Schatten des Windes. Anstelle von Daniel Sempere Jr, der im Schatten des Windes im Mittelpunkt steht, geht es hier vor allem um die Geschichte seines Freundes und Vertrauten Fermin. Die (Rahmen-)Handlung wird allerdings weiterhin aus Daniels Perspektive erzählt. Nach dem wohlbewährten Muster des Vorgängerbandes wird ein großer Teil der Handlung von anderen Personen in Rückblenden erzählt.

Was mit gut gefallen hat: wieder den Figuren aus dem ersten Band zu begegnen, die mir damals ans Herz gewachsen waren. Mehr über die Herkunft von Fermin und Daniel zu erfahren. Allerdings fühlte es sich manchmal so an, als hätte der Autor jeder Figur einen Auftritt geschrieben, egal ob es den Plot voranbringt oder nicht. Für alle, die den zweiten Band der Reihe (Das Spiel des Engels) auch schon gelesen haben, hier noch ein kleiner Hinweis: David Martin spielt auch in Der Gefangene des Himmels eine wichtige Rolle.

Atmosphärisch ist Der Gefangene des Himmels leider nicht so dicht wie der erste Band.  Es gibt weniger übernatürliche Vorgänge. Ich glaube, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass es vorrangig die Geschichte eines Gefängnisausbruches ist. Einige Spannungselemente werden – für mein Gefühl – viel zu schnell aufgelöst. Zum Beispiel: Der unbekannte Fremde, der am Anfang des Buches den Buchladen betritt, wird bald entlarvt und stellt bald auch keine Bedrohung mehr dar. Der Erzählfaden „wir beschaffen Fermin eine neue Identität“ geht viel zu reibungslos über die Bühne – wozu war das gut? Also frage ich mich: Dient dieses Buch vorranging zur Überbrückung zwischen den ersten beiden Bänden und dem letzten (noch nicht veröffentlichten) Band?

Mein abschließendes Urteil: Der Gefangene des Himmels liest sich gut, aber kommt leider nicht an den (ziemlich perfekten) Schatten des Windes heran. Das Ende ist ein bisschen zu sehr happy end. Allerdings… vielleicht trügt das auch. Bin ich hier in eine Falle gegangen, die der Autor seinen Lesern gestellt hat? Dem Buch ist ein Zitat aus Julián Carax’s Werk The Prisoner of Heaven vorangestellt. (Der Autor Julián Carax ist natürlich den Leserinnen des Schatten des Windes bekannt…) Hier nur ein Auszug:

„[…] a chorus of pure souls takes the stage with a comedy in their hands and the blessed innocence of those who, believing the third act to be the last, wish to spin a Christmas story – unaware that once the last page is turned, the poison of its words will drag them slowly but inexorably towards the heart of darkness.“

Und der letzte Satz des Buches ist ebenso prophetisch:

„It has only just begun.“

Ruiz Zafon hat es geschafft – ich bin jetzt noch gespannter auf den letzten Band in der Reihe. Und es bleibt das Gefühl, dass die Geschichte vom Friedhof der vergessenen Bücher noch lange nicht zu Ende erzählt ist.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Carlos Ruiz Zafón, The Prisoner of Heaven

  1. So habe ich das auch empfunden. Wobei ich den zweiten Band ziemlich klasse fand, obwohl er vom Ton ganz anders als der erste ist, viel witziger, ironischer. Und sehr in Richtung Gothic Novel geht, aber das mag ich ganz gern. Den dritten fand ich wesentlich schwächer, aber ich bin trotzdem auch auf den letzten Band gespannt. Liebe Grüße
    Petra

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