Kann man Schreiben Lernen?

Im Moment geht diese Story durch die britischen Medien: Der erfolgreiche britische Autor Hanif Kureishi (@Hanifkureishi) hält Creative Writing-Studiengänge für Zeitverschwendung . Das hat er in einer Rede zum Anlass eines Literaturfestivals in Bath erklärt. Die Ironie dabei: er selber ist seit letztem Jahr Professor an der Kingston University, wo er Creative Writing unterrichtet!

Die Geschichte hat mich natürlich zum Nachdenken gebracht. Ist Schreiben ein Talent, das dem Menschen in die Wiege gelegt wird, oder ist es erlernbar wie jedes andere Handwerk auch? Ich glaube, die Antwort ist, wie so oft, ein Mittelweg zwischen den beiden Extremen. Sicherlich haben manche Menschen mehr Talent zum Schreiben als andere. Aber: Schreiben und Schreibenlernen ist auch immer harte Arbeit. Einer der besten Tipps für (nicht nur angehende) Schriftsteller ist: Lesen, Lesen, Lesen. So viel wie möglich. Und dabei von Vorbildern lernen. Das sagt zum Beispiel auch Bestseller-Autor Andreas Eschenbach auf seiner Webseite.

Außerdem: Übrung macht den Meister. Wenn ich mir anschaue, was ich als Jugendliche so geschrieben habe, zum Beispiel einen 300-Seiten-Roman über die (nicht sehr gewagten) Abenteuer einer Gymnasialschülerin (kein Kommentar) oder ein Science-Fiction-Weltraumabenteuer (leider ohne Ende) überkommt mich manchmal das Gruseln. Andererseits sehe ich dann aber auch, dass ich heute besser schreibe (ob es zur Veröffentlichung reicht, wird sich zeigen), und das ist ein ziemlich gutes Gefühl.

Ich glaube schon, dass ein Kurs – ob an einer Universität oder an der Volkshochschule – gut dafuer sein kann, Schreibpraxis zu bekommen, Überarbeitungstechniken zu lernen und konstruktive Kritik von anderen zu erhalten. Ob ich selber dafür mehrere tausend Pfund und mehrere Jahre meines Lebens in Form eines Studiums ausgeben würde, bezweifle ich stark, aber ich werde ganz sicher niemanden kritisieren, der so ein Studium beginnt.

Übrigens, the University of East Anglia, die den ältesten und prestigeträchtigsten Creative Writing-Kurs im Land anbietet, hat eine lange Liste an Absolventen, die Bücher veroeffentlicht haben und wichtige Literaturpreise gewonnen haben. Darunter zum Beispiel Kazuo Ishiguru, Ian McEwan und Naomi Alderman.

Und noch ein letzter Gedanke: Schauspieler gehen ja schließlich auch zur Schauspielschule, warum soll es für Schriftsteller anders sein?

Gibt es Creative Writing-Studiengaenge eigentlich auch in Deutschland, oder ist das ein britisch-amerikanisches Phänomen? Und was meint ihr: Kann man Schreiben durch ein Studium lernen?

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14 Kommentare

Eingeordnet unter Schreiben

14 Antworten zu “Kann man Schreiben Lernen?

  1. packingbooksfromboxes

    Ich persönlich glaube, dass ein gewisses Bewusstsein für Sprache von Natur aus vorhanden sein muss, das man nicht erlernen kann.
    Aber- das übliche Handwerk des Schreibens für einen „Markt“ kann dagegen, denke ich schon „erlernt“ werden bzw. man muss es erlernen, wenn man Bücher oder ähnliches veröffentlichen möchte, denke ich.
    Unschlüssig bin ich mir darüber, ob man dazu unbedingt studieren bzw. einen Lehrgang belegen muss. Ich denke, dass sowas zum Beispiel dann auch in Zusammenarbeit mit einem Lektor oder ähnlichem geschieht.
    Gehört habe ich in Deutschland zum Kreativen Schreiben bisher nur von diesen Fernstudien, die auf Rückseiten von Fernsehzeitungen beworben werden 😀
    Mein lang gehegter Traum irgendwann ein eigenes Buch zu veröffentlichen besteht immer noch. Ob ich Talent dafür habe oder nicht, steht in den Sternen, aber ich hoffe, dass es in weiter Ferne klappt.
    Herzliche Grüße!

  2. Kathrin

    Spannende Fragestellung!

    Ich denke, grundsätzlich hat Schreiben etwas mit Talent zu tun – ein gewisses „Grundkönnen“ muss schon vorhanden sein. Jemand, der nur Subjekt-Prädikat-Objekt-Sätze verfasst oder dem es nie gelingt, einen Gedanken in Worte zu fassen, aus dem wird auch kein Kurs der Welt einen begnadeten Schrifsteller machen.

    Allerdings glaube ich auch, dass solche Kurse für jene, die hauptberuflich schreiben wollen, durchaus nützlich sein können. Weniger, um die eigene Schreibe zu verbessern – denn seinen Stil muss jeder selber finden -, als vielmehr um Grundsätzliches zu erlernen (wie baue ich am besten Spannung auf, wie gebe ich dem Text eine gute Struktur, was gilt es bei unterschiedlichen Zielgruppen zu beachten …). Dass viele international erfolgreiche Autoren im Studium kreatives Schreiben belegt haben, ist sicherlich kein Zufall. Als angehender Journalist nützt es ja auch nichts, nur gut schreiben zu können – auch hier muss man ja beispielsweise lernen, wie die unterschiedlichen journalistischen Gattungen aufgebaut sind und was es dabei zu beachten gilt.

  3. Ich halte “Talent” für eine überschätzte Voraussetzung und kann in dem Zusammenhang sehr das Buch empfehlen: “Was heisst schon Talent?”. Der Verfasser nahm zweimal als britischer Tischtennisspieler an Olympischen Spielen teil und ist Wissenschaftsjournalist. Das ist für viele eine gute Nachricht – die allerdings einen Haken hat. Weit mehr als auf “Talent” kommt es auf Praxis (nach Schätzung nicht nur des Autors 10000 Stunden bis man eine gewisse Meisterschaft in einem Bereich entwickelt) und “hochwertige” Unterweisung, bzw. Rückmeldung an. Fürs Schreiben bedeutet das: Sehr viel schreiben, sehr viel Lesen und nach Menschen suchen, die in der Lage sind, konstruktive Kritik zu äussern. Die kann man selten in Familien- und Freundeskreisen finden, aber mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit an Universitäten, Volkshochschulen und anderen Einrichtungen (wie z.B. der Bundesakademie in Wolfenbüttel, dem Nordkolleg in Rendsburg und mittlerweile einer Vielzahl an “Textschmieden” oder -”manufakturen”).

    • Interessanter Blickpunkt! Ich persönliche bewundere große Künstlerinnen/Schriftsteller/Schauspielerinnen bzw ihr Können und “Genie“ allerdings dann doch zu sehr, um nicht an Talent zu glauben. Danke aber für den Denkanstoß – das Buch muss ich mir mal genauer anschauen.

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  7. Also ich denke auch, dass es – wie fast überall – ein Zwischending ist aus Können und dem Gespür für Sprache, Worte und Handlungen.
    Man kann ein noch so guter “Schreiber” sein, wenn einem das Gespür und das Gefühl für Charaktere und Handlungen fehlt, wird aus dem geschriebenen Roman doch nur wieder ein “stinknormales” Werk, das allenfalls auf den unteren Rängen zu finden ist.
    Man braucht schon beides: Gespür und Können.
    Das eine kann man sicherlich lernen und das andere hat man – oder eben nicht…obwohl es sicher leichter wird, wenn man selbst viel liest.
    Aber man wird auch kein guter Arzt, wenn man eine Abneigung gegen Patientengespräche oder Blut hat… (ich weiss, der Vergleich hinkt…)

  8. Leipzig, Hildesheim, Wien, etc und dann wahrscheinlich noch an jeder Volkshochschule, inzwischen leben ja sehr viele Autoren davon ihr literarisches Wissen weiterzugeben und natürlich muß man das schreiben lernen, entweder allein durch Versuch und Irrtum und nicht aufgeben oder auch in kreativen Schreibegruppen oder Hochschullehrgänge und ich denke auch, daß das mit der Mischung stimmt, da gibt es ja den Satz von zehn Prozent Genie und neunzig Prozent Schweiß, daß in Österreich aber die Absolventen der “Leondinger Akademie” dann vermehrt oder vielleicht nur zum Teil in der Zeitschrift “Kolik” publizieren und dann vielleicht auch in Klagenfurt lesen oder in Leipzig beim Buchpreis nominiert sind, kann man nachlesen und die die in Klagenfurt lesen dürfen, haben inzwischen zum großen Teil in Leipzig und in Hildesheim studiert.

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