Virigina Woolf, Mrs Dalloway

„Mrs. Dalloway said she would buy the flowers herself.“

Gibt es eigentlich noch etwas, das ich über Mrs Dalloway sagen kann, das nicht schon an anderer Stelle besser gesagt worden ist? Das Buch ist ein Klassiker, darüber sind sich wahrscheinlich die meisten Leserinnen einig.

Deswegen vielleicht nur ein paar persönliche Bemerkungen von mir: Mrs Dalloway ist eines von diesen Büchern, mit denen ich mich erst über mehrere Jahre angefreundet habe. Zum ersten  Mal hatte ich es im Studium gelesen, von Anfang bis Ende, aber (das weiß ich im Nachhinein) nicht wirklich verstanden.  Wenn ich mich richtig erinnere, fand ich das Buch ziemlich langatmig. Das war besonders schade für mich, weil Michael Cunninghams grandioser Roman The Hours, der natürlich auf Mrs Dalloway basiert, einer meiner Lieblingsromane in meiner Unizeit war.

Vor ein paar Jahren habe ich es dann wieder mit Mrs Dalloway versucht. Der Roman gefiel mir besser, machte mehr Sinn, aber auf die Liste meiner Lieblingsbücher schaffte er es immer noch nicht.

Und jetzt? Aus irgendeinem Grunde packte es mich letzte Woche wieder, und ich las das Buch noch einmal. Was kann ich sagen? Es hat mich einfach umgehauen – es war ein atemberaubendes Leseerlebnis. Die Sprache! Die Übergänge von einer Erzählperspektive zur anderen! Das Gefühl, dass alle Menschen und alle Dinge im Leben miteinander verbunden sind! Die Bemerkungen und Beobachtungen über die Rolle der Frau in der Gesellschaft! Über den Umgang mit psychisch Kranken! Über das englische Klassensystem! Beim Lesen hatte ich an so mancher Stelle das Gefühl, die Sommerluft Londons auf meiner Haut spüren zu können.

Hier noch zwei schöne Links: Auf der Webseite der British Library gibt es ein Foto von einer Originalmanuskriptseite von Mrs Dalloway. Und auf der Webseite der Virginia Woolf Society of Great Britain kann man den Spaziergang von Westminster bis zum Regent’s Park nachverfolgen. Vielleicht werde ich, wenn ich das nächste Mal in London bin, auch ein bisschen auf den Spuren von Mrs Dalloway wandeln…

Westminster von oben

Westminster von oben

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2 Kommentare

Eingeordnet unter Gelesen

2 Antworten zu “Virigina Woolf, Mrs Dalloway

  1. katja1982

    Hallo Sarah, du lebst in England? Das ist ja interessant. Ich war mit Laura (meiner herzallerliebsten Mitbloggerin) vor 2 Wochen in London – wir hatten nur wenig Zeit, aber es war so toll. Wir besuchten die National Gallery, die Tate Britain und die Modern Tate und durchwandelten den Kensington Park und freuten uns über die putzigen Squirrels …Nachdem wir vor uns vor 2 Jahren schon in Schottland (Dorney) ein Cottage gemietet hatten mit unseren Männern …
    Für den London-Besucht habe ich auch jetzt Mrs. Dalloway gelesen, das schon lange auf der Liste stand. Virginia Woolf ist für mich eine faszinierende Autorin und ich mag ihre essayistisch-humorvolle Erzählweise in “Ein eigenes Zimmer” sehr. Ihr Erzählstil ist einfach besonders und durch die wechselnden Erzählweisen entsteht diese besondere Bewegtheit. Da unser Hotel sich auch in Westminster (Paddington) befand, konnte ich mich so schön in die Welt von Clarissa hineinversetzen. Schön, dass du den Roman auch so magst.
    Viele Grüße aus Berlin nach England von Katja

    • Super, dass euch London so gut gefallen hat! Immer eine Reise wert, finde ich. Ja, ich wohne in Birmingham, ungefähr anderthalb Stunden Zugfahrt von London entfernt.

      “Ein eigenes Zimmer“ möchte übrigens ich auch unbedingt bald lesen!

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