Susanna Clarke, Jonathan Strange and Mr Norrell

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„‚I have come to London in order to further the cause of modern magic. I intend, sir, to bring back magic to Britain,‘ answered Mr Norrell gravely.“

Worum geht es? Wir befinden uns in London zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als auf dem Kontinent gerade die Napoleonischen Kriege geführt werden. Allerdings ist dieses London nicht das London, das wir aus der Geschichtsschreibung kennen. Es liegt in einer Welt voller Magie. Nordengland wurde einst von dem Magier John Uskglass regiert und noch immer warten die Menschen im Norden auf seine Rückkehr. Zwar gibt es keine praktischen Zauberer mehr, aber dafür umso mehr theoretische Zauberer, die sich in gelehrten Kreisen treffen und diskutieren. Nun treten unsere beiden Helden (besser: ein Held und ein Antiheld) hervor: Mr Norrell und sein Schüler und spätererer Rivale, Jonathan Strange. Sie sind praktische Zauberer verhelfen mit ihren Künsten der Magie in England zu neuem Ansehen. So trägt Jonathan Strange zum Beispiel zum Gelingen von Wellingtons Feldzug gegen die französischen Truppen auf der iberischen Halbinsel bei. Was niemand weiss: Mr Norrell hat einen Pakt mit einer bösen Fee, in der Geschichte nur the gentleman with the thistle-down hair genannt, geschlossen. In der Folge richtet diese Fee so manchen üblen Schaden an. Werden unsere beiden Zauberer ihm das Handwerk legen können und England vor großem Schaden bewahren? Und wer ist der größte englische Zauberer, Mr Norrell oder Jonathan Strange?

Was hat mir besonders gut gefallen? Zum einen die Erzählstimme, die sich gerne auch mal über die Figuren lustig macht, sich immer wieder in den Erzählfluss einmischt und ihre Meinung zur Geschichte gibt:

„It seems to me that an old man, such as Mr Brandy, with nothing to recommend him but his money, ought to have treasured a young, pretty wife, and studied hard to please her in everything he could; but he did not.“

Die Autorin hat eine unheimlich reiche Welt gesponnen. Sogar in den Fußnoten wird weitererzählt, Hintergrundmaterial geliefert, (fiktive) Quellen zitiert. Zum Beispiel die Biographie The Life of Jonathan Strange, 1820 von John Murray veröffentlicht. Dabei sind wir gleich bei einem meiner nächsten Lieblingsthemen: Metafiktion. Denn gerade durch diese Fußnoten, die oberflächlich den Anschein erschaffen, dass der Roman ein Werk ist, das auf Tatsachen basiert, wird uns immer wieder in Erinnerung gerufen, dass er ein Werk purer Fiktion ist.

Der Roman steht in der Tradition der gothic novel und die Sprache schafft wunderbare, düstere Bilder:

„A bell had begun to toll somewhere. It was a sad and lonely sound which made the hearer think of wild forlorn place, dark skies and emptiness.“

Da die Geschichte schließlich im frühen 19. Jahrhundert spielt, werden die gothic fiction-AutorInnen Mr Beckford, Mr Lewis, Mrs Radcliffe und Mrs Shelley sogar namentlich erwähnt. Und nicht nur das – Lord Byron selbst hat eine kleine Nebenrolle! Und Francisco Goya hat angeblich ein Bild von Jonathan Strange gemalt. Sehr kunstvoll wird so die Welt des magischen Englands mit historischen Fakten vermischt.

Woran erinnert mich dieses Buch? Das Buch spielt im London des frühen 19. Jahrhunderts und auch die Sprache klingt so, als wäre es genau dieser Epoche entsprungen. Dabei denke ich natürlich sofort and Charles Dickens und seine Kollegen. Neil Gaiman ist ein weiterer Autor, dessen Namen mir beim Lesen durch den Kopf ging, und tatsächlich dankt die Autorin ihm in ihrem Nachwort für seine Großzügigkeit gegenüber anderen AutorInnen.

Ach so, mit der erfolgreichen Buchserie um einen jungen Zauberer und seine Schule hat dieses Büch übrigens gar nichts zu tun, deshalb soll hier auch nicht der Name dieses jungen Zauberers erwähnt werden (so sehr ich die Bücher und Filme auch liebe).

Und sonst? Auch wenn ich meinen E-Book-Reader liebe, lieist sich dieses Buch doch besser als „echtes“ Buch. Zum einen ist es in einer ganz tollen Schriftart gesetzt, die im Kindle nicht wiedergegeben wird. Und außerdem befinden sich im „echten“ Buch die Fußnoten unten auf der Seite, während man beim Kindle erst per Hyperlink nach hinten „blättern“ muss. Das geht auch schnell, aber es macht einen ganz anderen Eindruck, wenn man die Fülle der Fußnoten direkt auf jeder Seite im Blick hat. (Allerdings ist das Buch mit über 1000 Seiten wirklich ziemlich dick und schwer, was wiederum ein Pluspunkt für den Kindle ist!)

Fazit? Ein ganz hervorzüglicher Roman!

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