Archiv der Kategorie: Gelesen

Leseliste: Best of 2014

Zum Jahresende gibt es hier meine liebsten Neuentdeckungen für 2014:

  1. Chimamanda Ngozi Adichie: Americanah. Wird jetzt sogar verfilmt mit Lupita Nyong’o in einer der Hauptrollen.
  2. Deborah Harkness: A Discovery of Witches (auf Deutsch Die Seelen der Nacht). Den Rest der Trilogie haben ich dieses Jahr auch noch gelesen – allesamt sehr gut – aber der erste Band bleibt mein Favorit.
  3. Karen  Joy Fowler: We Are All Completely Beside Ourselves (auf Deutsch wird es 2015 veröffentlicht als Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke). Hier der Link zur Webseite der Autorin. Vorsicht übrigens, wenn ihr im Internet nach dem Buch sucht, denn der Clou (sagt man so plot twist auf Deutsch?) ist so unvorstellbar, dass ihr ihn erst beim Selberlesen entdecken solltet!
  4. Robin Sloan: Mr Penumbra’s 24-hour Bookstore. Eine schöne Mischung aus Der Schatten des Windes trifft das Internet.
  5. Eli Pariser: The Filter Bubble. Ich bin sonst eher Romanleserin und nehme (außer fürs Studium) nicht so oft Sachbücher in die Hand, aber dieses Buch ist eines der Bücher, die ich unbedingt weiterempfehlen möchte: relevant für alle, die sich im Internet bewegen, also so ziemliche alle Menschen, die ich kenne. Darauf aufmerksam geworden bin ich über diesen sehenswerten TED-Talk (auf Englisch):

 

Und, weil ich ja gerne Bücher auch ein zweites oder drittes Mal lese, hier meine liebsten Wieder-Entdeckungen für 2014:

  1. Kazou Ishiguru: The Remains of the Day  (auf Deutsch: Was vom Tage übriglieb)
  2. Anne Frank: Tagebuch
  3. Elizabeth Kostova: The Historian (auf Deutsch: Der Historiker). Übrigens übersetze ich den Titel des Buches in meinem Kopf immer als Die Historikerin, weil ich dabei als erstes an die jugendliche Erzählerin, und nicht an ihren Vater, denken muss.
  4. David Nicholls: One Day (auf Deutsch: Zwei an einem Tag)
  5. Virgina Woolf: Mrs Dalloway

Habt einen guten Rutsch!

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Gelesen: Juli 2014

Heinrich Heine: Shakespeares Frauen und Mädchen

Siehe hier auf dem Blog.

Sophie Kinsella: Twenties Girl

„Don’t you see that, you stupid girl? You could spend your whole life hoping and believing! If a love affair is one-sided, then it’s only ever a question, never an answer. You can’t live your life waiting for an answer.“ (Sophie Kinsella, Twenties Girl)

Siehe auch hier auf dem Blog.

Chimamanda Ngozi Adichie: Purple Hibiscus

Der erste veröffentlichte Roman meiner derzeitigen Lieblingsschriftstellering. Im Grunde ist es ein coming of age-Roman. Ich war wieder begeistert, auch wenn Americanah immer noch mein liebstes Adichie-Werk ist.

Angefangen und Abgebrochen

Ich habe seit ungefähr Januar versucht, The Luminaries von Eleanor Catton zu lesen. Das Buch hat 2013 den Booker Prize gewonnen, was für mich eigentlich immer eine gute Empfehlung ist. (Siehe einige meiner Lieblingsbücher: The English Patient von Michael Ondaatje oder The Remains of the Day von Kazuo Ishiguro zum Beispiel). The Luminaries, habe ich gemerkt, kann man nicht über Monate hinweg lesen. Dafür ist die Handlung zu kompliziert, zu viele Figuren spielen  mit. Die Ausgangssituation mochte ich allerdings: 12 Männer in einer Bar im Neuseeland des 19. Jahrhunderts, ein großes Geheimnis. Wer weiß mehr, als er zugibt? Ich wüsste schon gerne, wie es ausgeht, aber das Buch ist erst einmal zur Seite gelegt worden.

Auch nicht ausgelesen habe ich Throne of Jade, den zweiten Teil in der Temeraire-Reihe von Naomi Novik. Wirklich schade: vom ersten Band war ich hochauf begeistert, aber der zweite Teil hat mich leider etwas gelangweilt. Vielleicht versuche ich es irgendwann mit dem dritten Band.

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Heinrich Heine, Shakespeares Mädchen und Frauen

Shakespeares Mädchen und Frauen ist eine Sammlung von Essays von Heinrich Heine über die weiblichen Figuren in Shakespeares Werken. Als ich auf dem Blog Sätze und Schätze neulich davon gelesen hatte, bin ich neugierig geworden und musste mir das Buch selber besorgen.

Eine Essayreihe von Heinrich Heine also, in der die weiblichen Figuren aus Shakespeares Dramen und Komödien porträtiert werden. Das alleine wäre ja schon lesenswert, aber was das schmale Buch für mich so interessant gemacht hat, war, dass es neben Shakespeares Frauen um alles mögliche andere ging. So finden wir in den Essays auch Heines Gedanken zu so unterschiedlichen Themen wie Dramentheorie, Antisemitismus, Philosophie und Geschichte (insbesondere englische Geschichte), Shakespeare in Musik und Malerei, Shakespeare-Übersetzungen und Shakespeare-Rezeption in Deutschland, um nur ein paar der Streifzüge weg von Shakespeares Frauenfiguren zu nennen.

Mein geliebtes England kommt in den Essays übrigens nicht besonders gut weg. Zum Beispiel, wenn es um die historischen Dramen geht:

„Klio ist immer ein Weib, trotz ihrer parteilosen Kälte ist sie empfindlich für Ritterlichkeit und Heldensinn; und ich bin überzeugt, nur mit knirschendem Herzen verzeichnet sie in ihre Denktafeln die Siege der Engländer.“

(Übrigens, bei diesem Werk ist mein Kindle an seine Grenzen gestoßen. Den Text selber habe ich zwar kostenlos herunterladen können, aber Heine erwähnt immer wieder Kupferstiche der individuellen Frauen, die in meiner Ausgabe leider abhanden gekommen sind. Schade, aber dafür war das E-Book ja auch kostenlos…)

Stratford-upon-Avon

Shakespeares Geburtshaus in Stratford-upon-Avon

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Gelesen: Juni 2014

1. Deborah Harkness: Shadow of Night (All Souls Trilogy 2)

Vampire treffen auf Hexen treffen auf Zeitreise treffen auf historischen Roman treffen auf Spionagegeschichte. Oder so ähnlich. Hier auf dem Blog habe ich schon mehr darüber geschrieben.

2. Anne Frank: Tagebuch. Fassung von Otto H. Frank und Mirjam Pressler

„Ich irre von einem Zimmer zum anderen, die Treppe hinunter und wieder hinauf, und habe ein Gefühl wie ein Singvogel, dem die Flügel mit harter Hand ausgerissen worden sind und der in vollkommener Dunkelheit gegen die Stäbe seines engen Käfigs fliegt. ‚Nach draußen, Luft und Lachen!‘ schreit es in mir.“

Wenn ich eine Liste der Bücher, die mich in meinem Leben am meisten bewegt haben, aufschrieben müsste, wäre Anne Franks Tagebuch auf jeden Fall weit oben dabei.

3. Erica Fischer: Aimée und Jaguar. Eine Liebesgeschichte, Berlin 1943

„Meine Aimée!
Ich liebe dich so sehr, daß ich Dir gar nichts schreiben kann. Und ich brauche Dir ja eigentlich auch gar nicht zu schreiben, denn alles so enorm Wichtige werde ich Dir – wenn es Dir recht ist – nachher im Bett sagen.“

Erica Fischer erzählt eine Liebesgeschichte zwischen der jüdischen Felice Schragenheim und Lilly Wust, verheiratet mit einem NSDAP-Mitglied, die sich so oder so ähnlich in Berlin 1943 abgespielt hat.

4. Heinrich Heine: Deutschland. Ein Wintermärchen

„Ich glaube, Vaterlandsliebe nennt
Man dieses törichte Sehnen.

Ich spreche nicht gerne davon; es ist
Nur eine Krankheit im Grunde.
Verschämten Gemütes, verberge ich stets
Dem Publiko meine Wunde.“

Faszinierend als Geschichtszeugnis, amüsant als Satire, und bewegend in der Botschaft des Emigranten an sein Heimatland.

5. Naomi Novik: Temeraire (The Temeraire Series, Book 1)

„And then racing across the ocean, low to the waves now, with Temeraire snatching at them playfully every now and again the spray misting his face and the world rushing by in a blur, but for the constant solid presence of the dragon beneath him.“

Was wäre wenn… England und Frankreich sich in den Napoleonischen Kriegen nicht nur zur See und auf Land, sondern auch in der Luft bekämpft hätten? Mit Drachen?! Naomi Novik hat aus dieser Hypothese einen abenteuerlichen Roman gemacht.

Und außerdem… abgebrochene Lektüre:

An Astronaut’s Guide to Life on Earth: What Going to Space Taught Me About Ingenuity, Determination, and Being Prepared for Anything von Chris Hadfield. Chris Hadfield ist kanadischer Astronaut und hat letztes Jahr als @Cmdr_Hadfield von der ISS getwittert, was ziemlich cool war. Mittlerweile ist er zurück auf der Erde und hat ein Buch über das Astronautenleben geschrieben. Auf jeden Fall faszinierend, aber irgendwie liegt es trotzdem seit ungefähr Februar auf meinem Nachtisch und ich komme nicht weiter damit. Beim Aufräumen ist es jetzt also erstmal ins Regal zurück gewandert.

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Deborah Harkness: Shadow of Night

Achtung: in dieser Buchbesprechung geht es um Hexen, Vampire und Dämonen. Aber bear with me – bitte seid geduldig – es ist keine gewöhnliche Vampirromanze a la Twilight!

Shadow of Night (auf Deutsch: Wo die Nacht beginnt) ist der zweite Band der All Souls-Trilogie. Band 3 erscheint im Juli. Vom ersten Band war ich hellauf begeistert (siehe hier auf dem Blog), unter anderem auch, weil er sehr geschickt viele verschiedene Genres miteinander verband: Abenteuer, Vampirroman, historische Fakten und Fantasy. Der erste Roman spielte in der Gegenwart, die Schauplätze allerdings wechselten rasant: von Oxford ging es in die Auvergne in Frankreich und weiter in die USA. Gleichzeitig entwickelte sich die Liebesgeschichte zwischen der Hexe Diana Bishop und dem Vampir Matthew de Clairmont, die von einem geheimnisvollen Manuskript zusammengebracht wurden, und nun aufgrund ihrer Liebe und des Wissens um eben dieses Manuskript von allen möglichen übernatürlichen Wesen – sprich Hexen, Vampire und Dämonen – verfolgt werden.

Im zweiten Band nun reisen Diana und Matthew in die Vergangenheit, und zwar in das elisabethanische Zeitalter. Wieder wechseln die Schauplätze: wir beginnen in Oxford, reisen dann nach London (und treffen Berühmtheiten wie Christopher Marlowe und Queen Elizabeth I) und schließlich bis nach Prag an den Hof des Kaisers Rudolf II. Am Ende geht es wieder zurück nach London. Hatte mir dieses Muster im ersten Band noch gefallen, habe ich im zweiten Band an mancher Stelle den roten Faden verloren. Am Ende war ich mir nicht mehr sicher, ob Diana und Matthew nun ihr Ziel erreicht hatten, oder nicht. Und was war überhaupt ihr Ziel? Sie finden das oben erwähnte Manuskript Ashmole 782 und entdecken eines seiner Geheimnisse, geben es dann aber wieder aus den Händen. Diana entdeckt nach langen erfolglosen Mühen plötzlich ihre Zauberkraefte. Die geheimnisvolle Kongregation, vor der die beiden in das 16. Jahrhundert geflohen sind, verbietet zwar auch in der Vergangenheit Liebesbeziehungen zwischen Vampiren und Hexen, aber es scheint niemanden so wirklich zu stören.

Die Geschichte war fuer mich selber etwas zu langatmig, aber gleichzeitig gingen einige Entwicklungen viel zu schnell ueber die Bühne. Zum Beispiel: Es dauert hunderte von Seiten, um herauszufinden, dass das Manuskript in Prag ist, verbringen mehrere Kapitel in Prag selbst, um dem Buch näher zu kommen.. und am Ende wird es von einem der Freunde unseres Paares für sie gestohlen, ohne das wir Leser überhaupt bei dieser Szene dabei sind. Und nach einmal Umblättern sind wir dann ruckzuck mit dem Manuskript wieder in London.

Der größte Lichblick waren für mich die eingestreuten Kapitel, in denen die Handlung aus der Sicht von Personen in der Gegenwart erzählt wird, die, auf der ganzen Welt verteilt, Spuren von Diana und Matthew aus der Vergangenheit finden. Deswegen freue ich mich auch schon auf den dritten Band. Diana und Matthew sind jetzt nämlich wieder fest in der Gegenwart zurück, die Gefahr durch die Kongregation schwebt weiterhin über ihnen, und ich kann es gar nicht erwarten zu sehen, wie ihre Geschichte weitergeht…

Übrigens, kommt es mir nur so vor, oder ist bei Trilogien der zweite Band oft eher enttäuschend? Ich denke da zum Beispiel an den zweiten Band vom Herrn der Ringe (sowohl Buch als auch Film), der mich an mancher Stelle (und nun noch eine Schlachtenszene in epischer Breite…) gelangweilig hat. Was meint ihr, liebe Leser und Leserinnen?

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Top 10: Metafiktion

Was ist Metafiktion eigentlich? Meine eigene Definition ist: Bücher, die sich selbst thematisieren und Bücher über das Erzählen. Also: Bücher über Leute, die Bücher lesen oder Bücher schreiben, sowie Bücher über Bücher, die eine wichtige Rolle in Büchern spielen. (Ich muss mich an dieser Stelle entschuldigen. Ich habe im letzten Satz sechsmal das Wort „Bücher“ benutzt.) Die Leserin wird so ständig daran erinnert, dass der Text nur Fiktion ist.

Vielleicht wird das alles klarer, wenn man ein Buch liest, das Stilelemente der Metafiktion benutzt. Hier meine persönliche Top 10-Liste:

10. Scarlett Thomas: The End of Mr Y (auf Deutsch: Troposphere)

Warum ist es Metafiktion? Die Handlung beginnt, als die Erzählerin Ariel Manto die einzige Ausgabe eines für verschollen gehaltenen Buches findet: The End of Mr Y...  und dieses Buch beinhaltet ein Rezept dafür, wie man in die Troposphere reisen kann, einem mystischen Ort, der die Verbindung zwischen dem Bewusstsein aller Menschen ist.

9. Umberto Eco: Der Name der Rose

Warum ist es Metafiktion? Erstens: Das Buch gibt sich als Aufzeichnung wahrer Ereignisse aus. Es geht soweit, dass sogar am Anfang ein Vorwort steht, in dem der „Finder“ der angeblich mittelalterlichen Handschrift erklärt, wie ihm der Text in die Hände gekommen ist. Zweitens: in der Handlung selber geht es unter anderem um ein verschollenes Manuskript von Aristoteles – verbirgt es sich in dem mittelalterlichen italienischen Kloster, in dem der scharfsinnige britische Mönch William von Baskerville und sein junger Schüler Adson von Melk versuchen, einen Mordfall aufzuklären? Drittens: William von Baskerville und Adson?! Wer denkt bei diesesm Paar und diesen Namen nicht sofort an den berühmtesten britischen Dektektiv und seinen Assistenten…?

8. Jasper Fforde, The Eyre Affair (auf Deutsch: Der Fall Jane Eyre)

Warum ist es Metafiktion? Die Handlung spielt in einem Paralleluniversum, in dem Literatur überall ist: literarische Figuren werden wie Pophelden verehrt, es gibt literarische Detektive, die Fälschungen von zum Beispiel Shakespeare-Werken auf den Grund gehen, und vor allem: die Hauptfigur Thursday Next kann sich mitten in die Handlung von literarischen Werken begeben, so zum Beispiel in den titelgebenden Roman Jane Eyre von Charlotte Brontë.

7. Cornelia Funke: Tintenherz

Warum ist es Metafiktion? Weil es in der Welt von Tintenherz Menschen gibt, so wie die Hauptfigur Meggie und ihren Vater Mo, die sich in die Handlung von Büchern hineinlesen können und im Gegenzug anderen Menschen herauslesen können. So zum Beispiel aus dem Buch Tintenherz (siehe Titel!), hinter dem, so lernen wir bald, eine Bande von üblen Gesellen her ist.

6. Susanna Clarke: Jonathan Strange and Mr Norrell (auf Deutsch: Jonathan Strange und Mr Norrell)

Warum ist es Metafiktion? Zum Beispiel, weil das Buch voller Fussnoten sind, die ihm einen wissenschaftlichen Anschein geben. Es wird zum Beispiel aus der Biographie einer der Hauptfiguren, Jonathan Strange, zitiert. Überhaupt, Jonathan Strange wird in Fussnoten vorstellt, als er noch lange nicht in der Handlung erschienen ist. Außerdem ist das Buch in einem Stil geschrieben, der uns denken lässt, dass es aus der viktorianischen Zeit stammt – was aber natürlich nicht wahr ist… (Siehe auch hier auf dem Blog.)

5. Alan Moore: Watchmen

Warum ist es Metafiktion? Weil es zum Beispiel einen Comic im Comic gibt: die Geschichte vom Black Freighter. Wenn man vorsichtig aufpasst, sieht man die Verbindungen zwischen den beiden Erzählsträngen.

4. Elizabeth Kostova: The Historian (auf Deutsch: Der Historiker)

Warum ist es Metafiktion? Weil die Handlung sich auf mehreren Ebenen abspielt: es beginnt damit, dass unsere Erzählerin ein altes Buch findet und daraufhin von ihrem Vaters erzählt bekommt, wie er als junger Student eben dieses Buch und die Aufzeichnungen seines Universitätsprofessors gefunden hat. Auf allen drei Ebenen – Erzählerin, Vater und Professor – begeben wir uns mit den Figuren auf eine Suche quer durch Europa, die alle am Ende zum selben Ziel führt. (Das klingt sehr theoretisch, ist aber in Wirklichkeit superspannend. Oh, und Dracula spielt übrigens auch mit.)

3. Michael Chabon: The Amazing Adventures of Kavalier and Clay (auf Deutsch: Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier und Clay)

Warum ist es Metafiktion? Die beiden New Yorker Comicbuchkünstler Joe Kavalier und Sam Clay erfinden den Comicbuchcharakter The Escapist, der Hitler und die Nazis bekämpft. Immer wieder wird die Romanhandlung unterbrochen, um Episoden aus der Comicbuchreihe zu erzählen. Diese Episoden spiegeln die Gefühle und den Eskapismus von Kavalier und Clay wieder, die so ihre eigene Geschichte aufarbeiten (Joe Kavalier floh vor den Nazis aus Europa und musste dabei seine Familie zurücklassen).

2. Carlos Ruis Zafón: Der Schatten des Windes

Warum ist es Metafiktion? Der Erzähler findet im Friedhof der Bücher das Buch Der Schatten des Windes des Schrifstellers Julián Carax. Er ist fasziniert von dem Buch und will mehr über den Autor herausfinden. Ein vermummter Mann kommt in den Buchladen seines Vaters und drängt ihn, ihm das Buch zu verkaufen. Der Erzähler weigert sich. Der vermummte Mann ähnelt einer Figur aus dem Buch… dem Teufel. Im Laufe der Zeit vermischen sich Realität und Fiktion: Das Leben des Erzählers wird mehr und mehr zum Spiegelbild des Lebens von Julián Carax. (Siehe auch hier auf dem Blog.)

1. Michael Ende: Die Unendliche Geschichte

Warum ist es Metafiktion? Unser junger Antiheld, Bastian Balthasar Bux, stiehlt ein Buch, fängt an, darin über die Abenteuer von Atréju in Phantásien zu lesen, und endet schließlich selber dort, in der „Unendlichen Geschichte“. Übrigens: Obwohl ich e-books gerne mag, lese ich dieses Buch lieber als echtes Buch.  Warum? Weil das gedruckte Buch selbst ein Teil der Leseerfahrung ist: die Handlung, die in unserer Welt stattfindet, ist in grün gedruckt. Die Handlung in Phantásienist in rot gedruckt. Als Bastian nach Phantásien reist, wird auch seine Geschichte rot. Und noch interessanter: das geheimnisvolle Buch, in das Bastian eintaucht, heißt Die Unendliche Geschichte und hat zwei Schlangen auf dem Einband, die ineinander verschlungen sind. Und das tatsächliche Buch, das die Leserin liest… heißt auch Die Unendliche Geschichte und hat zwei Schlangen auf dem Einband…

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Gelesen: Mai 2014

1. Deborah Harkness, A Discovery of Witches

Fantasy-Roman mit Hexen, Vampiren und Dämonen. Viel besser, als es klingt. Suchtpotential und erster Band der All Souls-Trilogie (der dritte Band erscheint im Sommer). Hier auf dem Blog habe ich schon neulich darüber geschrieben. Vor kurzem habe ich übrigens den zweiten Band der Trilogie angefangen – wahrscheinlich schreibe ich bald mehr dazu!

2. Virginia Woolf, A Room of One’s Own

„Let me imagine, since facts are so hard to come by, what would have happened had Shakespeare had a wonderfully gifted sister, called Judith, let us say.“ (Virginia Woolf)

Vor gar nicht langer Zeit habe ich ja Mrs Dalloway gelesen und das hatte mich darauf gebracht, endlich auch einmal A Room of One’s Own  in Angriff zu nehmen. 1929 erschienen, diskutiert Woolf hier Frauen und Literatur. Sehr lesenswert! Ich habe beim Lesen ganz viele Zitate angestrichen, die sicher noch lange in meinem Kopf herumschwirren werden.

3. Kazuo Ishiguro, The Remains of the Day

Wunderschön traurig. Siehe auch hier auf dem Blog.

4. George R. R. Martin, A Game of Thrones

So langsam arbeite ich mich ja durch den Stapel dicker Bücher durch, die ich vor einiger Zeit gestartet habe. Wobei man das Wort „Stapel“ virtuell sehen muss, lese ich Bücher doch meistens auf meinem Kindle. A Game of Thrones ist natürlich der erste Teil von George R. R. Martins Fantasy-Reihe A Song of Ice und Fire, auch bekannt durch die gleichnamige TV-Serie. Ich habe die bisher veröffentlichten Bücher alle im Laufe des letzten Jahres gelesen, aber habe noch einmal von vorne angefangen. Ich hoffe, dass mir so noch mehr Details auffallen und Zusammenhänge bewusst werden… und es überbrückt die Zeit, bis (hoffentlich bald!) der nächste Band der Reihe veröffentlicht wird.

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Kazuo Ishiguro, The Remains of the Day

Wenn ich eine Liste meiner allerliebsten Lieblingsbücher zusammenstellen müsste, würde ich zuerst seufzen, dass so eine Aufgabe fast unmöglich ist, dann aber auf jeden Fall The Remains of the Day (Was vom Tage übrig blieb) von Kazuo Ishiguro auf die Liste stellen. 1989 hat Ishiguro für diesen Roman den Booker-Preis gewonnen, und das Werk ist später auch mit Anthony Hopkins und Emma Thompson in den Hauptrollen verfilmt worden.

„It seems increasingly likely that I really will undertake the expedition that has been preoccupying my imagination now for some days.“

Ich finde es schwierig, über das Buch zu schreiben, ohne zuviel von der Handlung zu verraten. Nur so viel: Es ist ein kompakter, relativ kurzer Roman, Mitte der 1950er Jahre in England spielend, in dem der Ich-Erzähler, Mr. Stevens, eine Autofahrt durch Südengland unternimmt und sich dabei immer wieder in Erinnerungen an sein Leben als Butler eines (einstmals) angesehenen britischen Lords verliert.

„But perhaps one should not be looking back to the past so much.“

Immer wieder drehen sich die Gedanken von Stevens um ein Thema: Würde. Was macht einen guten Butler aus? Dass er in jeder Situation Würde zeigt (so sagt jedenfalls Stevens). Was ist Würde? Wie zeigte sich diese Würde in der Vergangenheit unseres Erzählers? Und überhaupt – wie erinnern wir uns an die Vergangenheit? Beim Lesen wird langsam und zart deutlich, dass Bedauern ein weiteres großes Thema im Leben des Erzählers ist. Und gerade dieses Bedauern war es auch, dass mich gegen Ende des Buches dazu gebracht hat, ein paar Tränen zu vergießen. Aber, wie schon gesagt, ich möchte nicht zu viel verraten.

„After all, there’s no turning back the clock now. One can’t be forever dwelling on what might have been.“

Am Ende bleibt nur eine Frage offen: Warum verwechsele ich andauernd den Titel The Remains of the Day mit The End of the Affair von Graham Greene (übrigens auch ein Lieblingsbuch von mir)?!

Und hier als allerletztes Wort noch ein Link zu Fotos von einer Ausgabe des Buches mit Randnotizen des Autors auf der Guardian-Webseite. Höchstinteressant!

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Deborah Harkness, A Discovery of Witches

“Normal‘ is a bedtime story – a fable – that humans tell themselves to feel better when faced with overwhelming evidence that most of what’s happening around them is not „normal“ at all.‘

A Discovery of Witches (Die Seelen der Nacht) hat unheimlich viel Spaß beim Lesen gemacht. Ein fast 600-Seiten starker Wälzer, bei dem mir aber auch auf keiner einzigen Seite langweilig geworden war. Worum geht es? Die Geschichte fängt in Oxford an, wo die amerikanische Historikerin Diana Bishop in der Bodleian Library ein altes Manuskript entdeckt. Ach so, Diana ist übrigens eine Hexe. In der Bibliothek macht sie die Bekanntschaft des Vampirs Matthew Clairmont, der ein verdächtig starkes Interesse an dem geheimnisvollen Manuskript zeigt. Und um den Reigen komplett zu machen: Dämonen gibt es übrigens in dieser Welt auch.

Wir befinden uns also in einer alternate reality, wo Menschen unbekannterweise mit übernatürlichen Wesen zusammenleben. Unsere Heldin Diana wollte von dieser Welt bislang nichts wissen, wird aber im Laufe der Geschichte mehr und mehr hineingezogen in das strenge Regelwerk, dass den Frieden zwischen den verschiedenen „Kreaturen“ sichert.

Schon wieder ein Vampirroman, höre ich euch sagen. Der Ansatz, den die Autorin Deborah Harkness nimmt, ist allerdings erfrischend anders. Vampire können sich zum Beispiel im Tageslicht bewegen und sogar sterben – aber eben erst nach einem jahrhunderte langem Leben. Die ganzen Mythen um Vampire – die Angst vor Knoblauch, die Scheu vor Tageslicht – sind eben nur das: Mythen, von Menschen gemacht.

In ein paar Rezensionen habe ich gelesen, dass A Discovery of Witches in Stellen langatmig ist. Finde ich nicht, aber ich kann verstehen, woher diese Kritik kommt. Denn an manchen Stellen ergeht die Autorin sich in langen, detaillierten Beschreibungen, zum Beispiel die Beschreibung eine Yoga-Stunde oder eines gemeinsamen Frühstücks. Fand ich allerdings toll – sehr atmosphärisch und sinnlich, und ich bin ansonsten wirklich keine Freundin von langen Beschreibungen.

Mein einziger Kritikpunkt: ich kann mich nicht entscheiden, ob Diana Bishop wirklich so eine mutige, tapfere, selbstsichere Frau ist (wie sie im Roman selbst oft beschrieben wird), oder ob sie nicht zu sehr von dem männlichen Helden gerettet und behütet wird. Das letztere ging mir beim Lesen nämlich schon an einigen Stellen gegen den Strich. Hmmm.

Bodleian Library

Die Bodleian Library in Oxford

Mich hat der Roman übrigens sehr an The Historian von Elizabeth Kostova erinnert, zumal beide in der Bodleian Library in Oxford beginnen, in beiden die Hauptfigur eine Historikerin ist, und in beiden Vampire eine wichtige Rolle spielen.

Die Autorin und Collegeprofessorin Deborah Harkness ist übrigens als @DebHarkness bei Twitter, und zu dem Buch gibt es auch eine offizielle WebseiteA Discovery of Witches (auf Deutsch Die Seelen der Nacht)ist der erste Teil einer Trilogie. Der zweite ist bereits erschienen, der dritte und letzte Teil ist für diesen Sommer geplant.

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Gelesen: April 2014

1. Virginia Woolf, Mrs Dalloway

Eines meiner all time Lieblingsbücher. Hier auf dem Blog habe ich mehr darüber geschrieben.

2. Susanna Clarke, Jonathan Strange and Mr Norrell

Fantastisch-realistischer Roman (falls das überhaupt eine literarische Gattung ist…!), der im viktorianischen London spielt. Im Mittelpunkt sind die Zauberer Jonathan Strange und Gilbert Norrell. Hier auf dem Blog gibt es mehr dazu.

3. Stefan Bachmann, The Peculiar

Toller, rasanter Steampunk-Roman. Hier auf dem Blog gibt es mehr dazu.

4. Jeph Loeb, Batman. The Long Halloween

Eine Graphic novel in tollen, atmosphärischen Bildern. Die ganzen berühmten Batman-Schurken – Poison Ivy, Joker, Riddler und so weiter  haben hier einen Auftritt, was es vor allem für Einsteigerinnen wie mich spannend gemacht hat, und wir lernen die Hintergrundgeschichte eines weiteren Schurkens, Two-Face.

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