Archiv der Kategorie: Schreiben

Lange Bücher

Hallo, ich bin auch noch da! Mein Problem diese Woche: Was macht eine relativ neue Bücher-Bloggerin, wenn sie gerade nur sehr, sehr lange Bücher liest und also kein Material hat, um Besprechungen für ihren Blog zu schreiben?

Naja, das Wort „Problem“ trifft meine Situation nicht ganz. Aber viel zu berichten aus meiner Bücherwelt habe ich im Moment einfach nicht. Lest ihr auch immer mehrere Bücher auf einmal? Ich schon – je nach Stimmung. Dadurch ergibt es sich, dass ich auch schon mal ein, zwei kurze Bücher auslese, während ich noch an einem anderen längeren Werk lese. Im Moment aber lese ich einfach nur lange Bücher. Die gute Nachricht: Sie sind alle, auf ihre eigene Art, ganz toll. Zum Beispiel:

The Luminaries von Eleanor Catton

Dieses Buch hat letztes Jahr den Booker-Prize gewonnen, und da musste ich es natürlich lesen. Das Buch hat um die 800 Seiten und ich bin mit ungefähr 60 Seiten noch ziemlich nah am Anfang. Noch ist mir nicht ganz klar, worum es geht – Goldsucher in Neuseeland im viktorianischen Zeitalter, die Aufklärung eines Mordfalles, ein mysteriöser Vorgang auf einer Schiffreise. So langsam allerdings zeichnen sich die Zusammenhänge heraus. Als Leserin merke ich jedenfalls, wie ich immer mehr in den Sog der Geschichte hereingezogen werde.

Fazit soweit: ganz toll!

Jonathan Strange and Mr Norrell von Susanna Clarke

Diese Buch hatte ich schon einmal gelesen, als es gerade als superdickes Taschenbuch erschienen war. Jetzt lese ich es auf dem Kindle – eindeutig leichter in der Hand zu halten! Wiederum eine Geschichte im 19. Jahrhundert, dieses Mal allerdings in England angesiedelt. Und nicht in einem England, so wie wir es kennen: die Handlung spielt in einem alternativen England, wo es Magier und Feen gibt.

Fazit soweit: wie schon beim ersten Lesen bin ich ganz begeistert von der Welt und der Atmosphäre, die die Autorin erschafft.

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit von Marcel Proust

Oh weh. Ob ich das jemals auslesen werde? Ich bin irgendwo um die Seite 40 im ersten Band. Den Anstoß, es mit der Verlorenen Zeit zu versuchen, hat meine Lektüre von Alison Bechdels Fun Home gegeben, denn die Erzählerin in dieser Graphic Novel bezieht sich mehrmals auf Prousts Werk. Ich muss mich jedesmal wieder neu an Prousts Schreibstil gewöhnen. Ich glaube, ich werde hiermit über mehrere Jahre beschäftigt sein…

Fazit soweit: Der Beginn einer langen Reise…

A Game of Thrones von George R.R. Martin

Auch dieses Buch, beziehungsweise die gesamte A Song of Ice and Fire-Serie (soweit sie veröffentlicht ist…), habe ich schon einmal gelesen. Jetzt habe ich wieder von vorne angefangen. Aus zwei Gründen: Erstens haben wir gerade die dritte Staffel der TV-Verfilmung auf DVD gesehen und ich muss irgendwie das Warten bis zum Erscheinen der vierten Staffel, wahrscheinlich erst im nächsten Jahr, überbrücken. Zweitens bin ich gespannt darauf, welche Zusammenhänge ich, mit dem Inhalt der gesamten Serie im Hinterkopf, beim Wiederlesen entdecken werde.

Fazit: Pures comfort reading.

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Kann man Schreiben Lernen?

Im Moment geht diese Story durch die britischen Medien: Der erfolgreiche britische Autor Hanif Kureishi (@Hanifkureishi) hält Creative Writing-Studiengänge für Zeitverschwendung . Das hat er in einer Rede zum Anlass eines Literaturfestivals in Bath erklärt. Die Ironie dabei: er selber ist seit letztem Jahr Professor an der Kingston University, wo er Creative Writing unterrichtet!

Die Geschichte hat mich natürlich zum Nachdenken gebracht. Ist Schreiben ein Talent, das dem Menschen in die Wiege gelegt wird, oder ist es erlernbar wie jedes andere Handwerk auch? Ich glaube, die Antwort ist, wie so oft, ein Mittelweg zwischen den beiden Extremen. Sicherlich haben manche Menschen mehr Talent zum Schreiben als andere. Aber: Schreiben und Schreibenlernen ist auch immer harte Arbeit. Einer der besten Tipps für (nicht nur angehende) Schriftsteller ist: Lesen, Lesen, Lesen. So viel wie möglich. Und dabei von Vorbildern lernen. Das sagt zum Beispiel auch Bestseller-Autor Andreas Eschenbach auf seiner Webseite.

Außerdem: Übrung macht den Meister. Wenn ich mir anschaue, was ich als Jugendliche so geschrieben habe, zum Beispiel einen 300-Seiten-Roman über die (nicht sehr gewagten) Abenteuer einer Gymnasialschülerin (kein Kommentar) oder ein Science-Fiction-Weltraumabenteuer (leider ohne Ende) überkommt mich manchmal das Gruseln. Andererseits sehe ich dann aber auch, dass ich heute besser schreibe (ob es zur Veröffentlichung reicht, wird sich zeigen), und das ist ein ziemlich gutes Gefühl.

Ich glaube schon, dass ein Kurs – ob an einer Universität oder an der Volkshochschule – gut dafuer sein kann, Schreibpraxis zu bekommen, Überarbeitungstechniken zu lernen und konstruktive Kritik von anderen zu erhalten. Ob ich selber dafür mehrere tausend Pfund und mehrere Jahre meines Lebens in Form eines Studiums ausgeben würde, bezweifle ich stark, aber ich werde ganz sicher niemanden kritisieren, der so ein Studium beginnt.

Übrigens, the University of East Anglia, die den ältesten und prestigeträchtigsten Creative Writing-Kurs im Land anbietet, hat eine lange Liste an Absolventen, die Bücher veroeffentlicht haben und wichtige Literaturpreise gewonnen haben. Darunter zum Beispiel Kazuo Ishiguru, Ian McEwan und Naomi Alderman.

Und noch ein letzter Gedanke: Schauspieler gehen ja schließlich auch zur Schauspielschule, warum soll es für Schriftsteller anders sein?

Gibt es Creative Writing-Studiengaenge eigentlich auch in Deutschland, oder ist das ein britisch-amerikanisches Phänomen? Und was meint ihr: Kann man Schreiben durch ein Studium lernen?

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Über Kapitel

Nach einer Pause habe ich neulich mit der nächsten Überarbeitungsrunde angefangen, wie schon hier auf dem Blog beschrieben. Das Überarbeiten geht langsam (aber sicher) voran, und ich arbeite mich Kapitel für Kapitel durch mein Manuskript durch.

Meine Kapitel sind zwischen 10 und 15 Seiten lang. Bei einem Buch von etwa 200 Seiten (im Format der berühmten Normseite) macht das also ungefähr 20 Kapitel.

Als Leserin mag ich Bücher mit (relativ) kurzen Kapiteln am liebsten. Ich sehe gerne, wo natürliche Pausen im Erzählfluss sind. Das ist vor allem wichtig für mich, weil ich viel unterwegs lese – fünf Minuten beim Warten auf den Zug, fünfzehn Minuten in der Mittagspause im Büro, und so weiter.

Was mich viel weniger anspricht: Bücher ohne Kapitel und – vor allem – ohne Absätze. Lange Texte im Blocksatz. Da brauche ich immer eine Weile,  um mich einzulesen. Aber das ist wahrscheinlich auch bei jeder Leserin anders.

Zurück zu „meinen“ Kapiteln. Beim Schreiben hatte ich jedem Kapitel einen sehr deskriptiven Titel gegeben. Zum Beispiel: Der Abend der Theaterpremiere. Das war vor allem eine Hilfestellung für mich, weil ich so auf einen Blick sehen konnte, worum es in dem Kapitel noch einmal ging. Toll fand ich die Titel allerdings nicht, weil sie so schwerfällig waren. Sie waren eben immer nur eine Art Baugerüst, das am Ende der Arbeit wieder abgebaut wird. Bei der letzten Überarbeitungsrunde habe ich sie dann auch wieder gestrichen.

Kurz hatte ich es noch in Erwägung gezogen, jedem Kapitel ein Zitat aus Shakespeare, Schiller oder der Bibel voranzustellen (alle hängen im weitesten Rahmen mit der Handlung zusammen), aber das schien mir dann doch etwas zu pretentiös. Jetzt habe ich also ein 1. Kapitel, 2. Kapitel, 3. Kapitel etc, und bin damit sehr glücklich!

Was meint ihr? Kapitel – wichtig oder unwichtig?

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Ich schreibe einen Roman: Der Anfang

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich die ersten Worte von meinem derzeitigen Manuskript geschrieben habe. Es klingt sogar komisch, das Wort „derzeitig“ zu benutzen, denn es ist lange her, dass ich an etwas anderem gearbeitet habe…

Wie auch immer. Die Stelle, mit der ich mich am meisten beschäftigt habe, ist der Anfang. Immer wieder bin ich zu den ersten zwanzig, dreißig Seiten zurückgekehrt. Im Laufe der Zeit habe ich die Sätze und Wörter poliert und heute ist der Anfang einer der Teile meines Manuskripts, auf die ich am stolzesten bin. Ein Geständnis: Die ersten paar Sätze kann ich schon fast auswendig aufsagen, so sehr habe ich an dem Text gefeilt.

Wenn ich einmal das fertige Buch anderen Menschen zum Lesen gebe, möchte ich schließlich nicht, dass sie es nach den ersten paar Seiten gelangweilt zur Seite legen. (Und dazu hätten sie alles Recht der Welt – ich habe ja neulich hier auf dem Blog schon geschrieben, dass man kein Buch zu Ende lesen sollte, dass einem nicht gefällt.) Das wird sogar noch kritischer, wenn ich das Manuskript tatsächlich an Verlage schicke, denn die meisten möchten nur das erste Kapitel oder die ersten paar Dutzend Seiten erhalten.

Habe ich es richtig gemacht mit meinem Einstieg? Auf literaturcafe.de gibt es einen amüsanten Beitrag über die 5 peinlichsten Romananfänge von Hobby-Autoren. Glück gehabt – mein Anfang fällt in keine der Kategorien!

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Über das Überarbeiten

(Entschuldigung, das Wortspiel im Titel musste einfach sein.)

„Writing is essentially rewriting and rewriting everything to death, so I spend a lot of hours there in the studio trying to make the language work to paint each picture in the reader’s mind and generally deploring how lousy my efforts turn out to be“ (In Conversation with Carlos Ruiz Zafon in: Carlos Ruiz Zafon, The Prisoner of Heaven, Kindle edition.)

Mein Manuskript steht. 52000 Wörter, 200 Seiten. Hurrah! Die Geschichte ist erzählt. Aber fertig bin ich noch lange nicht. Jetzt geht es ans Überarbeiten. Den ersten gründlichen Durchgang habe ich hinter mir, den Weihnachtsferien sei Dank. Dabei sind schon eine ganze Reihe Verbesserungen, Streichungen, Umstellungen angefallen.

Jawohl, es gab auch die ein oder andere Unstimmigkeit. Zum Beispiel ging mein Hauptdarsteller an einer Stelle vier Treppen zu seiner Wohnung hinauf – obwohl er im fünften Stock wohnte. Hmmmm. Oder jemand kam mit tropfend nassem Haar aus der Dusche, obwohl er ein paar Seiten zuvor noch stoppelkurz rasiertes Kopfhaar hatte.

Für den zweiten Durchgang habe ich mir vorgenommen, dem Konzept der 10-Punkte-Text-ÜV von Andreas Eschbach zu folgen, das er auf seiner Webseite beschreibt. Ich werde jetzt nicht alles Wort für Wort wiederholen, steht ja schließlich auf Herrn Eschbachs Webseite zum Nachlesen. Nur so viel: es kommt ganz schön viel Arbeit auf mich zu. Aber das ist auch gut so. Je mehr ich tun kann, um den Text lesenswert zu machen, umso besser.

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Eingeordnet unter Fortschrittsbericht, Schreiben

Tägliches Schreiben

Neulich habe ich ja geschrieben, dass ich nicht jeden Tag an meinem derzeitigen Manuskript arbeite (Schock! Horror!), sondern manchmal wochenlange Pausen einlege. Aber ein bisschen bei der Sache zu bleiben, versuche ich natürlich schon. Internet und Technik sind dabei meine größten Freunde.

Zum Beispiel die Webseite von Sarah Selecky. Die folgt einem ganz simplen Prinzip: jeden Tag bekomme ich eine Email mit einer Anweisung zum Schreiben zugeschickt. Die Vorgabe: Schreibe für 10 Minuten, von Hand.

Diese Texte schreibe ich übrigens auf Englisch. Also nicht in meiner Muttersprache. Es fühlt sich immer noch seltsam an, aber schließlich wohne ich mittlerweile schon seit einigen Jahren in diesem Land. Im Büro schreibe ich ja auch englische Berichte. Teilweise betrachte ich es also auf Aufwärmübungen zum Schreiben auf Englisch (oder im englischen Idiom: flexing my muscles!). Teilweise als simple Schreibübungen, ganz egal, in welcher Sprache. Aber die Wahl der Sprache ist wahrscheinlich ein Thema für einen eigenen Blogeintrag.

Sarah Selecky hat übrigens Recht, und jetzt widerspreche ich meinem letzten Blogeintrag: 10 Minuten Zeit pro Tag zum Schreiben hat jeder. Oder vielleicht widerspreche ich mir doch nicht so sehr. Wenn ich an meinem Romanmanuskript arbeite, brauche ich mindestens 10 Minuten, um warm zu werden. Viel Fortschritt würde ich da in so einer kurzen Zeitspanne also nicht machen. Aber für eine in sich geschlossene Schreibaufgabe sind 10 Minuten genau richtig.

Mein anderes Hilfsmittel: mein E-Book-Reader, der Kindle. In regelmäßigen Abstaenden emaile ich mir die neueste Version meines Manuskripts direkt auf meinen Kindle. Natürlich geht das mit E-Book-Readern von anderen Herstellern wahrscheinlich auch, nachgeschaut habe ich es aber nicht.

Warum das meiner Kreativität hilft? Erstens sieht es toll aus, mein Manuskript auf dem Kindle vor mir zu haben. Das motiviert unheimlich. Zweitens kann ich es so jederzeit lesen – morgens im Zug, mittags im Café, abends im Bett – und mit der Kommentarfunktion sogar Notizen machen. Seit ich diese Funktion im Frühjahr entdeckt habe, ist meine Produktivität in die Höhe geschnellt.

Jetzt aber genug von mir. Ich bin in einer Schreibphase. Das Manuskript wartet!

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Eingeordnet unter Deutsch-Englisch, Schreiben

Über die Schreibdisziplin

Ich bin ehrlich: Ich gehe durch Phasen im Leben, in denen ich viel schreibe und Phasen, in denen ich gar nicht schreibe.

Ich arbeite in Vollzeit, da bleibt also vornherein nicht so viel Zeit übrig. Ich bin keine von den Schriftstellerinnen, die morgens eine Stunde früher aufstehen, um schreiben zu können. Klingt traurig, ist aber wahr: für mich Schlafmütze ist jede Minute, die ich morgens länger im Bett verbringen kann, kostbar. Also bleiben nur die Abende.

Aber: Ich bin verheiratet, und das noch gar nicht so lange. Abends möchte ich mit meinem Mann Zeit verbringen, und zwar nicht nur stumm neben ihm auf der Couch vor dem Fernseher sitzen. Und ich habe Freunde, die ich gerne sehe. Außerdem lerne ich gerne neue Dinge. Neulich habe in einen Onlinekurs (ein MOOC) gemacht. Das war toll, aber zeitaufwendig. Dafür verstehe ich jetzt mehr von Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen. Könnte irgendwann mal nützlich werden. Und ich habe für ein paar Wochen mein Gehirn mehr angestrengt als sonst, das war das Wichtigste. Zum Schreiben blieb allerdings nicht mehr viel Zeit.

Was ich außerdem gemerkt habe: Ich muss einigermaßen ausgeglichen sein, um gut schreiben zu können. Und ich muss Energie haben. Denn: Schreiben zehrt an meiner Energie. Es strengt an und macht müde. Schreiben wühlt auf. Wenn ich kurz vor dem Zubettgehen schreibe, fällt mir das Einschlafen schwierig, weil Geschichten und Charaktere in meinem Kopf herumspinnen. November war in meiner Abteilung im Buero der hektischste Monat des Jahres. Abends war ich völlig erschöpft – die Energie zum Schreiben fehlte.

Wenn ich mir die obigen Paragraphen durchlese, dann klingt es ein bisschen quengelig, aber so ist es nicht gemeint. Ich suche es mir schließlich selber aus, wie ich meine Freizeit verbringe. Wenn ich in einer Phase bin, in der ich schreibe, dann recherchiere/schreibe/überarbeite ich jeden Abend. Mehrere Stunden lang, mit einer kurzen Pause zum Abendessen. Ich kann mich kaum von dem Text trennen. Zu unerwarteten Zeitpunkten fallen  mir neue Ideen ein. Zugegeben, manchmal ist die Arbeit langwierig und ich komme kaum voran, aber meistens macht es wahnsinnigen Spaß und ich bin völlig versunken in der Welt meiner Geschichte. Ich glaube, man nennt das auch den Flow. Aber für immer hält diese Phase eben auch nicht an.

Ich weiß: ideal ist das alles nicht. Um eine kohärente Geschichte zu schreiben, müsste ich am besten jeden Tag bei der Sache sein. Aber so funktioniere ich nun einmal nicht. Und die Art, auf die ich schreibe, bringt mir die meiste Erfüllung und den meisten Spaß. Das ist ja schließlich auch wichtig, oder?

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