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Fundstücke, Nummer 3

Der Autor Carlos Ruiz Zafon hat auf seiner Webseite eine Karte veröffentlicht, mit der man auf den Fußspuren von Der Schatten des Windes durch Barcelona spazieren kann: The Shadow of the Wind Walk.

Die Journalistin Alison Flood schreibt im Guardiandass sie sich an den Inhalt der meisten Bücher, die sie gelesen hat, nicht erinnern kann.  Das kommt mir leider sehr bekannt vor… Kennt ihr das auch? Darf ich überhaupt sagen, dass ich Ann Radcliffes Castle of Otranto, oder Ian McEwans Atonement, oder Thomas Manns Buddenbrooks gelesen habe, wenn ich mich noch nicht einmal an die Namen der Hauptfiguren erinnere? Mein einziger Trost ist, dass ich anscheinend nicht die einzige Leserin bin, der so etwas passiert…

Und noch ein Städtetipp, der allerdings so gar nichts mit Literatur zu tun hat: Blogger Konstantin Binder schreibt auf London Leben über einen Fluss (natürlich nicht die Themse), der direkt über die Gleise der U-Bahn-Station Sloane Square umgeleitet worden ist. Wahnsinn! Die Station habe ich auch schon benutzt, das grünen Metallrohr auch bestimmt gesehen, aber eben nicht wirklich wahrgenommen…

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Carlos Ruiz Zafón, The Prisoner of Heaven

[Achtung: milde Spoiler!]

Barcelona

Dieses Buch gehört zu der „Schatten des Windes“-Tetralogie, von der bisher drei Bände veröffentlicht worden sind. Ich hatte im Dezember den Schatten des Windes (wieder) gelesen und mir anschließend, hellauf begeistert, das jüngeste Buch in der Reihe gekauft, nämlich The Prisoner of Heaven (auf Deutsch Der Gefangene des Himmels). Zwischen diesen beiden Bänden hat Zafon auch noch Das Spiel des Engels veröffentlicht, sagt aber ausdrücklich, dass man die Bücher nicht in dieser Reihenfolge lesen muss. Interessantes Konzept.

Der Gefangene des Himmelsl spielt einige Jahre nach den Ereignissen im Schatten des Windes. Anstelle von Daniel Sempere Jr, der im Schatten des Windes im Mittelpunkt steht, geht es hier vor allem um die Geschichte seines Freundes und Vertrauten Fermin. Die (Rahmen-)Handlung wird allerdings weiterhin aus Daniels Perspektive erzählt. Nach dem wohlbewährten Muster des Vorgängerbandes wird ein großer Teil der Handlung von anderen Personen in Rückblenden erzählt.

Was mit gut gefallen hat: wieder den Figuren aus dem ersten Band zu begegnen, die mir damals ans Herz gewachsen waren. Mehr über die Herkunft von Fermin und Daniel zu erfahren. Allerdings fühlte es sich manchmal so an, als hätte der Autor jeder Figur einen Auftritt geschrieben, egal ob es den Plot voranbringt oder nicht. Für alle, die den zweiten Band der Reihe (Das Spiel des Engels) auch schon gelesen haben, hier noch ein kleiner Hinweis: David Martin spielt auch in Der Gefangene des Himmels eine wichtige Rolle.

Atmosphärisch ist Der Gefangene des Himmels leider nicht so dicht wie der erste Band.  Es gibt weniger übernatürliche Vorgänge. Ich glaube, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass es vorrangig die Geschichte eines Gefängnisausbruches ist. Einige Spannungselemente werden – für mein Gefühl – viel zu schnell aufgelöst. Zum Beispiel: Der unbekannte Fremde, der am Anfang des Buches den Buchladen betritt, wird bald entlarvt und stellt bald auch keine Bedrohung mehr dar. Der Erzählfaden „wir beschaffen Fermin eine neue Identität“ geht viel zu reibungslos über die Bühne – wozu war das gut? Also frage ich mich: Dient dieses Buch vorranging zur Überbrückung zwischen den ersten beiden Bänden und dem letzten (noch nicht veröffentlichten) Band?

Mein abschließendes Urteil: Der Gefangene des Himmels liest sich gut, aber kommt leider nicht an den (ziemlich perfekten) Schatten des Windes heran. Das Ende ist ein bisschen zu sehr happy end. Allerdings… vielleicht trügt das auch. Bin ich hier in eine Falle gegangen, die der Autor seinen Lesern gestellt hat? Dem Buch ist ein Zitat aus Julián Carax’s Werk The Prisoner of Heaven vorangestellt. (Der Autor Julián Carax ist natürlich den Leserinnen des Schatten des Windes bekannt…) Hier nur ein Auszug:

„[…] a chorus of pure souls takes the stage with a comedy in their hands and the blessed innocence of those who, believing the third act to be the last, wish to spin a Christmas story – unaware that once the last page is turned, the poison of its words will drag them slowly but inexorably towards the heart of darkness.“

Und der letzte Satz des Buches ist ebenso prophetisch:

„It has only just begun.“

Ruiz Zafon hat es geschafft – ich bin jetzt noch gespannter auf den letzten Band in der Reihe. Und es bleibt das Gefühl, dass die Geschichte vom Friedhof der vergessenen Bücher noch lange nicht zu Ende erzählt ist.

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Carlos Ruiz Zafón, Der Schatten des Windes

„This city is a sorceress, you know, Daniel? It gets under your skin and steals your soul without you knowing it.“

(Carlos Ruiz Zafón, Der Schatten des Windes)

Zum ersten Mal habe ich Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafón gelesen, als er gerade erst auf Deutsch veröffentlicht worden war. Das muss ungefähr um 2004 herum gewesen sein. Ein schauerlich-schöner Roman über Einsamkeit und über Bücher, und über Geschichten innerhalb von Geschichten. Ich selber würde den Roman als Gothic fiction einstufen, ob das andere auch so sehen, weiß ich aber nicht. Wie auch immer. Der Roman spielt in Barcelona, und die Beschreibung der Stadt trägt viel zur dunklen Atmosphäre des Buches bei.

Ein paar Jahre, nachdem ich den Roman gelesen hatte, bin ich zum ersten Mal für ein paar Tage nach Barcelona gereist und habe in einer kleinen Jugendherberge mitten im gothischen Viertel gewohnt. Im Mehrbettzimmer zusammen mit einer Gruppe französischer Studentinnen. Die Kathedrale (nicht zu verwechseln mit Gaudís Sagrada Familia) mit den Gänsen im Kreuzgang war nur ein paar Schritte entfernt.

Meine Reise ist mittlerweile auch schon wieder einige Zeit her. Jetzt lese ich gerade wieder The Shadow of the Wind (dieses Mal also in der englischen Übersetzung) und die Erinnerungen an die paar Tage in Barcelona im Spätsommer kommen wieder auf. Ich lese ein Buch doch anders, wenn ich die Schauplätze kenne. Die kleinen verwinkelten Gässchen des Barri Gòtic, der von Menschen wimmelnde Ramblas-Boulevard, die große Plaça de Catalunya, der Strand von Barceloneta. Dass ich den alten Vergnügungspark auf dem Tibidabo damals nicht besucht habe, tat mir wieder leid, als ich in dem Roman davon las.

Auf jeden Fall habe ich das Buch als Anlass genommen, mir noch einmal alte Urlaubsfotos anzuschauen, die ich damals mit meiner ersten Digitalkamera gemacht habe.  Ich weiß nicht, ob es die Calle Santa Ana, in der der Buchladen Sempere und Söhne sich befindet, wirklich gibt, aber ich stelle sie mir so vor, wie einer der unzähligen Gassen, durch die ich im gothischen Viertel gelaufen bin. Sehen Sie übrigens den Platz auf dem Foto unten? Genau so stelle ich mir den Platz vor, an dem das Haus von Nuria Montfort steht.

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