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Fundstücke, Nummer 7

Der walisische Autor Jasper Fforde schreibt auf der Seite der Huffington Post darüber, wie immer mehr Dinge, die für seine satirischen Roman erfunden hat, tatsächlichen wirklich werden: Does a Post-Satire World Indicate the Death of Fantasy? Nebenbei bemerkt: Ffordes Bücher, vor allem die Thursday Next-Serie, sind sehr lesenwert.

Wie aufmerksame Leser wissen, bin ich dabei, graphic novels für mich zu entdecken. Bei Flavorwire habe ich eine interessante Liste gefunden: Best Graphic Novels. Schon beim Durchklicken sind mir eine ganze Reihe von graphic novels aufgefallen, die vielversprechend klingen. Zum Beispiel My New York Diary von Julie Doucet, Stitches von David Small und American Born Chinese von Gene Luen Yang. Meine Lieblinge Fun Home von Alison Bechdel und Persepolis von Marjane Satrapi sind übrigens auch auf der Liste dabei! Viel Spaß beim Stöbern!

Auf der Guardian-Webseite gibt es ein Interview zum Thema Should you finish every book you read? Damit habe ich mich, ihr erinnert euch vielleicht, auf diesem Blog auch schon einmal beschäftigt. Meine Meinung hat sich seitdem nicht geändert. Was meint ihr? Ungeliebte Bücher – auslesen oder nicht?

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Top 10: Comics für Anfänger

Irgendwann habe ich angefangen, mich mit Leuten anzufreunden, die Comics lesen. Und irgendwann habe ich angefangen, selber auch Comics zu lesen. Zuerst aus Neugierde. Und dann habe ich gemerkt, dass man mit Comics ganz tolle Geschichten vermitteln kann.

Comics

Was ich als erstes gelernt habe: Comics bedeutet nicht gleich Superhelden. Und: Erwachsene sagen graphic novel, nicht comic book. Aber ich finde, Comic ist Comic, also bleibe ich bei dem Wort. Ich bin immer noch eine Comic-Anfängerin, aber lerne stetig dazu (danke, Stadtbücherei!). Hier sind meine persönlichen Lieblingscomics – vielleicht auch für andere Einsteigerinnen in das Genre geeignet:

1. Alan Moore, Watchmen

Dieses Buch hat alles auf den Kopf gestellt, was ich über Comics gedacht hatte. Eine epische Geschichte, ein ganz anderer Blick auf Superhelden, unglaubliche Details (das symmetrische fünfte Kapitel – unbedingt genau anschauen!), und die große Frage: Who watches the Watchmen?

2. Marjane Satrapi, Persepolis

Eine Geschichte vom Aufwachsen im revolutionären Iran und in Österreich. Eine Freundin, der ich das Buch geliehen hatte, hat einmal gesagt, dass ich sie an die junge Heldin, Marjane, erinnere. Ich habe so meine Zweifel, ob es stimmt, aber es war ein ganz großes Kompliment für mich.

3. Neil Gaiman, Sandman

Eine fantastische Geschichte mit Anleihen aus Mythologie, Religion und Literatur. (Siehe auch hier auf dem Blog.)

4. Art Spiegelman, Maus

Die Geschichte eines Holocaustüberlebendens und gleichzeitig der Beweis, das Comics auch das ernsteste Thema von allen behandeln können – und ihm gerecht werden können.

5. Alison Bechdel, Fun Home. A Family Tragicomic

Die Geschichte einer Tochter-Vater-Beziehung und vom Aufwachsen in einer amerikanischen Kleinstadt, und gleichzeitig die Geschichte eines Geheimnisses. (Siehe auch hier auf dem Blog.)

6. Jeph Loeb, Batman. The Long Halloween

Die Geschichte spielt über ein Jahr hinweg und stellt uns alle die großen Batman-Schurken vor: der Joker, die Scarecrow, Poison Ivy und so weiter. Batman schließt einen Pakt mit Commissioner Gordon und Staatsanwalt Harvey Dent… aber ist Harvey Dent wirklich sein Verbündeter? Wunderschöne, dunkle Bilder von Tim Sale, die genau die Stimmung des Buches wiedergeben.

7. Bastien Vivès, Polina

Bezaubernd schöne schlicht gezeichnete Geschichte um eine junge Ballerina, die ihren eigenen Weg im Leben sucht und findet. (Siehe auch hier auf dem Blog.)

8. The Killing Joke

Eine Batman-Geschichte von Comic-Großmeister Alan Moore. Kurz und knapp, kann man also gut an einem Nachmittag durchlesen. Das Comicbuch für jede, die wissen wollte, wie der Joker zu seinem Namen gekommen ist.

9. Robert Kirkman, The Walking Dead

Was wäre, wenn wir eines Tages aufwachen und die Welt von Zombies bevölkert ist? Purer Horror und die Grundlage für die gleichnamige US-amerikanische TV-Serie.  Ich muss dazu sagen, dass ich erst die ersten beiden Bände gelesen habe.

10. Joss Whedon, Astonishing X-Men

Joss Whedon schreibt nicht nur Fernsehserien (Buffy) und Filme (Avengers Assemble), sondern hat auch eine Reihe von X-Men Comics herausgebracht. Mit fehlte ein wenig Hintergrundwissen, da ich nur die X-Men-Filme kenne, Whedon sich aber auch auf Plots aus früheren Comics bezieht. Das hat dem Spaß, den ich beim Lesen hatte, aber nur wenig geschadet.

Comics

Das war also meine Liste. Wie gesagt, eine Anfänger-Liste. Was ich gerne noch lesen möchte: Mehr Superhelden-Comics, zum Beispiel aus dem Marvel-Universum. Als erstes fällt mir da Spiderman ein. Und außerdem mehr von Alan Moore, zum Beispiel V for Vendetta. Mehr Neil Gaiman, natürlich. Und Comics in anderen Sprachen als Englisch, zum Beispiel von Autoren wie Guy Delisle und Joann Sfar. Es bleibt also spannend!

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Fundstücke, Nummer 6

Israelische Flagge

Ein Interview mit der jungen deutschen Autorin Katharina Höftmann, die seit einigen Jahren in Israel lebt und darüber schreibt, gibt es bei Deutschlandradio Kultur. Ihre Sammlung von Kolumnen Guten Morgen, Tel Aviv finde ich ganz fantastisch (siehe auch hier auf dem Blog). Ihr erster Krimi, Die letzte Sünde, hat mich nicht so sehr begeistert, aber ich bin nun mal keine große Krimi-Freundin…

Ich mag Comics. Ich mag Bibliothekare. Deswegen ist diese Liste von Comic-Buch-Bibliothekaren, erschienen auf dem Blog The Information, gerade richtig für mich!

Gerade habe ich noch Susanna Clarkes wunderbaren Roman Jonathan Strange und Mr Norrell gelesen, da sehe ich, dass er gerade von der BBC als eine Mini-Serie verfilmt wird und zu Weihnachten gesendet werden soll. Und es wird sogar in Yorkshire gefilmt, wo schließlich ein großer Teil des Buches spielt (neben London, der iberischen Halbinsel, und Venedig).

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Bastien Vives: Polina

Polina, eine graphic novel von dem französischen Comicschreiber Bastien Vivès aus dem Jahr 2012, habe ich nur durch Zufall beim Herumstöbern in der Bücherei gefunden. Und was für ein guter Zufall das war!

In dem Buch geht es um den Werdegang der Ballettänzerin Polina Oulinov, von ihren Anfängen in einer Balletschule in Moskau über Berlin bis hin  zur Anerkennung durch Fans und Kritiker weltweit. Ich mag Tanz ja gerne, deswegen war das Buch genau richtig für mich. Es ist ganz in schwarz, weiß und Grautönen gezeichnet. Die Bewegungen der Tänzerinnen kommen unheimlich gut herüber, und die Zeichnungen sind in ihrer Schlichtheit einfach wunderschön.

Das Thema kann man ganz kurz und knapp beschreiben: junges Mädchen wird erwachsen und findet ihren eigenen Weg. Eigentlich eine zeitlose Geschichte.

Beim Lesen hatte ich übrigens die ganze Zeit das Gefühl, dass mir das Gesicht der Hauptfigur Polina bekannt vor kam. Jetzt weiß ich auch, warum: Vivès hat sich, so steht es im Tagesspiegel, die berühmte Ballerina Polina Semionova, lange Jahre über am Staatsballet Berlin tätig, als Inspiration genommen – auch wenn ihr Werdegang ganz anders ist als der von der Comicfigur Polina.

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Gelesen: Februar 2014

1. Lamia Ziadé, Bye-Bye Babylon: Beirut 1975-1979

Mal wieder eine autobiographische graphic novel, nach Alison Bechdels wunderbarem Fun Home. Und wieder mit einem düsteren Thema, denn es geht um eine Kindheit im Libanonkrieg. Dabei fasst die Kategorie graphic novel es nicht hunderprozentig. Vielmehr ist es ein Buch mit ein wenig Text und vielen Illustrationen, die jeweils eine ganze Seite einnehmen. Sehr schön gemacht – und die bunten Bilder stehen oft im totalen Kontrast zu dem Schrecken, den sie beschreiben.

Mein erster Gedanke, als ich das Buch in der Bücherei gesehen habe, war: „Jetzt kann ich endlich mehr über den Bürgerkrieg im Libanon lernen!“ Diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt, weil das Buch aus der Sicht eines jungen Mädchens geschrieben worden ist. Ich bin also nicht viel schlauer über die verschiedenen Faktionen und ihre Motivationen geworden, aber das kann ich auch anderswo nachlesen. Dieses Buch hier erzählt vor allem von einer Kindheit, die vom Krieg getrübt worden ist, und das tut es auf eine für mich ganz neue Art und Weise,  nämlich mit Bildern.

Die Autorin, Lamia Ziadé, hat übrigens eine Webseite, auf der ihr euch viele ihrer Bilder aus dem Buch anschauen könnt.

2. Michael Cunningham, By Nightfall.

Roman über die Midlife-Krise eines New Yorker Kunsthändlers. Siehe hier auf dem Blog.

3. Bill Willingham: Fables. Legends in Exile.

Der erste Band einer Comic-Serie. Mein Gefühl beim Lesen: ganz nett. Mehr aber auch nicht. Ho-hum. Die Idee ist toll: alle Märchenfiguren, die wir in der westlichen Welt so kennen, sind aus ihrem Reich vetrieben worden und leben incognito in New York. Die Serie wird immer noch fortgeführt, und ich habe bislang eben nur diesen ersten Band gelesen. Leider ist genau der erste Band aber im Grunde ein Krimi, ein whodunnit. (Wer hat Rosenrot ermordet? War es Blaubart? Der böse Wolf ermittelt.) Und Krimis lese ich leider überhaupt nicht gerne. Ich werde aber trotzdem versuchen, irgendwo (Bücherei?) and die nächsten paar Bände zu kommen. Es kann nur besser werden!

4. Alina Bronsky, Scherbenpark

Toll! Unbedingt lesen! Mehr von mir dazu gab es schon früher hier auf dem Blog.

5. Will Eisner: Dropsie Avenue. The Neighborhood

Eine graphic novel, im Jahr 1985 erschienen. Es geht um die Geschichte einer Straße in der Bronx über mehrere Jahrhunderte hinweg. War ganz interessant zu lesen, weil ich (a) New York und (b) Geschichte mag. Was mich allerdings gestört hat, war, dass die Figuren gezwungenermaßen skizzenhaft blieben – wenn man mehrere Jahrhunderte abdecken muss, kann man sich nicht so lange bei einzelnen Figuren aufhalten.

Im Klappentext stand dann noch, dass Will Eisner der Erfinder der graphic novel ist, was mich verwundert hat. Ich kenne mich nicht besonders gut mit dem Genre aus, hätte aber immer Alan Moore oder Frank Miller als „Erfinder“ vermutet.

6. Joss Whedon and John Cassaday: Astonishing X-Men. Gifted

Mit Superheldencomics kenne ich mich nicht besonders gut aus, aber Joss Whedon ist mir natürlich von Serenity, Buffy the Vampire Slayer und Avengers ein Begriff.Was ich nicht wusste, ist, dass er vor ungefähr zehn Jahren auch für Marvels Astonishing X-Men geschrieben hatte. Bislang kannte ich die X-Men nur aus dem Kino, und ein paar bekannte Charaktere tauchen auch hier im Comic wieder auf, zum Beispiel Wolverine und Cyclops.

7. Joss Whedon and John Cassaday: Astonishing X-Men. Dangerous

Zweiter Teil von Joss Whedons Astonishing X-Men.

8. Chimamanda Nogzi Adichie: Americanah

Ganz, ganz toll. Ein neues Lieblingsbuch. Hier auf dem Blog habe ich noch mehr darüber geschrieben.

Angefangen und wieder weggelegt:

Dave Eggers A Heartbreaking Work of Staggering GeniusAußerdem The Devil Returns in Prada von Lauren Weissberger. Und das, obwohl ich den Vorgängerroman The Devil Wears Prada (sowie den darauf basierenden Film) toll finde. Aber direkt im Anschluss an Americanah hat es einfach nicht gepasst.

Mein Fazit:

Viele Graphic Novels, von denen mich einige nicht sehr begeistert hatten, obwohl Joss Whedons Astonishing X-Men toll ist. Zwei Romane, die mich – auf verschiedene Art – bewegt und mitgerissen haben. Einer davon, Americanah, ist nach dem Lesen sofort auf die Liste meiner absoluten Lieblingsbücher gewandert.

Ideen für weiteren Lesestoff:

(1) Ich muss mehr von Chimamanda Ngozi Adichie lesen. (2) Außerdem werde ich im März auf jeden Fall meine Entdeckungsreise in die Welt der Graphic Novel fortsetzen. Langsam lerne ich, was mir gefällt, und was nicht. (3) Und wie habe ich es bloss geschafft, einen ganzen Monat ohne Neil Gaiman zu verbringen?

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Alison Bechdel, Fun Home. A Family Tragicomic.

Alison Bechdel (auf Twitter unter @AlisonBechdel zu finden) ist eine amerikanische Comicbuchautorin, die mir zunächst durch den Bechdel-Test bekannt war, mit dem man bewerten kann, wie es in einem Film mit der Repräsentation von weiblichen Figuren aussieht. (Zum ersten Mal hatte ich davon übrigens bei Anke Gröner gelesen.)

Fun Homes ist eine Autobiographie im Comicbuchformat. Alison ist auf dem Land in Pennsylvania (sprich: in der tiefsten Provinz) aufgewachsen. Ihr Vater Bruce ist Lehrer und Bestattungsunternehmer, also Leiter von einem funeral home. Daher der zweideutige Titel des Buches.

Das Buch beschäftigt sich mit großen Themen: die Trauer um Alisons Vater, der Selbstmord begeht (oder ist es ein Autounfall?), als sie an der Universität ist – ein paar Wochen, nachdem sie ihren Eltern gegenüber ihr coming out als Lesbe hatte. Es geht um die Beziehung zwischen Vater und Tochter. Während am Anfang des Buches noch Angst und Unverständnis für den Vater überwiegt, nähert die Erzählerin ihm sich im Laufe des Buches an, und auf den letzten Seiten finden wir Verständnis für den Vater und seinen Lebenslauf. Sexualität – die eigene Sexualität, die versteckte Sexualität des Vaters (wir finden heraus, dass er Beziehungen mit anderen Männern hatte) – ist ein weiteres Thema, das von verschiedenen Seiten betrachtet wird.

Die Geschichte folgt keinem geradlinigen Muster, sondern springt zwischen verschiedenen Episoden hin und zurück. Die Autorin greift dabei auf verschiedene Werke der Weltliteratur zurück, mit denen sie versucht, ihre Beziehung zu ihrem Vater und ihre Familie zu erklären. Unter anderem werden Albert Camus, Henry James, F Scott Fitzgerald und The Great Gatsby, der Mythos von Dädalus und Ikarus und James Joyces Ulysses, sowie Marcel Prousts Auf der Suche nach der Verlorenen Zeit  zur Erklärung herangezogen – aber auf eine Art, die stimmig ist und sich in den Erzählfluss einfügt.

„Dad does not mention identifying with the character of Jimmy Gatz, but the parallels are unavoidable.“

„Like Odysseus’s faithful Penelope, my mother had kept the household going for twenty years with a more or less absent husband.“

„I employ these allusions to James and Fitzgerald not only as descriptive devices, but because my parents are most real to me in fictional terms.“

Die Ereignisse spitzen sich zum Höhepunkt im Sommer 1972 hin zu, als in der Welt außerhalb sich der Watergate-Skandal entfaltet, der Vater vor Gericht steht, weil er einem Minderjährigen Alkohol gegeben hat (anderes bleibt unausgesprochen, dazu die Erzählerin: „The real accusation dared not speak its name.“), unsere Erzählerin ihre erste Periode bekommt, ein heftiger Sturm den Garten des Hauses verwüstet. Die Mutter probt für ihre Rolle in Oscar Wildes Importance of Being Earnest, ein treffender Kommentar über das Doppelleben, das der Vater mehr oder weniger von seiner Familie verborgen hält.

„This juxtaposition of the last days of childhood with those of Nixon and of that larger national innocence may seem trite. But it was only one of many heavy-handed plot devices to befall my family during those strange, hot months.“

Als Alison studiert und langsam entdeckt, dass sie lesbisch ist, kommt sie ihrem Vater über die Literatur wieder näher. Sie tauschen Bücher aus, mit absichtlichen oder unabsichtlichen Botschaften. Ohne das Wort „schwul“ je in den Mund zu nehmen oder über seine Gefühle mit ihr zu reden, unterstützt Bruce seine Tochter in ihrem coming out – ein Schritt, den er selber nie getan hatte.

Mein Fazit: Ein bittersüßes, trauriges, aber auch komisches Buch.

Und was kommt als nächstes? Ich habe aus lauter Neugierde den ersten Band von der Suche nach der Verlorenen Zeit auf meinen Kindle heruntergeladen. Mal schauen, wie weit ich komme… Wer Autobiographie und Comics mag, dem kann ich übrigens Persepolis von Marjane Satrapi herzlichst empfehlen.

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Neil Gaiman, Sandman

Wer ist eigentlich Neil Gaiman? Mr Gaiman ist ein multitalentierter britischer Autor von Romanen, Kinderliteratur, zwei Doctor Who-Folgen.. und ich habe bestimmt noch einiges vergessen. Wer mehr wissen möchte, kann bei seinem Twitter-Konto oder auf seinem Blog vorbeischauen. Außerdem ist er auch schon einmal bei den Simpsons aufgetaucht (die Folge habe ich nämlich neulich durch Zufall im Fernsehen gesehen).

Am berühmtesten ist Neil Gaiman wahrscheinlich für die Reihe der Sandman-Comics, die von 1989 bis 1996 erschienen ist. Die einzelnen Geschichten sind in 10 Bänden zusammengefasst. Auf der Rückseite steht, dass man die Baende nicht chronologisch lesen muss. Ich lese mich gerade schneller als mir lieb ist durch die Serie, und bin ungefähr in der Mitte.

Die Hauptfigur ist der Sandman, obwohl er in den Comics selber nie so genannt wird. Er ist Herrscher über die Welt der Traueme und trägt mehrere Namen: Dream, Morpheus, Lord of Dreams… (keine Ahnung, ob die in der deutschen Übersetzung auch mitübersetzt worden sind) … Die Saga fängt damit an, dass Dream von einem englischen Okkult-Magier gefangen genommen worden ist. Nach mehreren Jahrzehnten des geduldigen Ausharrens in der Gefangenschaft kommte er frei. Die Geschichte handelt nun davon, wie er sich in der Welt wieder zurechtfindet und sein Reich wieder in Ordnung bringt (…denn ein paar Dinge sind in seiner Abwesenheit ausser Kontrolle geraten). Der Plot ist allerdings nicht geradlinig, sondern es gibt viele Abstecher in andere, in sich geschlossene Geschichten. In manchen taucht Dream nur kurz am Rande auf, aber ich habe das Gefühl, dass sie uns alle verschiedene Facetten der Figur zeigen. Vielleicht fügt es sich bis zum Ende der Saga doch noch zu einem großen harmonischen Etwas zusammen.

Neil Gaiman hat mit den Sandman-Comics eine Welt erschaffen, in die man beim Lesen völlig eintauchen kann. Die Geschichte(n), die er erzählt, sind unglaublich reichhaltig und vielseitig. (Es gibt sogar eine ganze Reihe Leute, die gelehrte Aufsätze über den Sandman geschrieben haben.) So bezieht sich Gaiman oft auf Weltiteratur. Zum Beispiel geht es in einer Geschichte um Shakespeares Sommernachtstraum und seine Entstehung (nur so viel sei verraten: Dream hat seine Finger dabei im Spiel). An anderen Orten werden Anspielungen gemacht auf Lord of the Rings, Stephen King, The Wizard of Oz – und das sind nur die Verweise, die mir beim ersten Lesen aufgefallen sind.

Die Haupthandlung spielt in der Gegenwart (England und USA), aber wir werden beim Lesen oft in andere Zeiten versetzt und treffen auf Figuren aus der Weltgeschichte, zum Beispiel den Kaiser (ja, wirklich!) von Amerika, Robespierre und Saint-Just aus den Zeiten der Französischen Revolution, der Kaiser Augustus im antiken Rom, … Außerdem macht Gaiman Anleihen bei der Mythologie der verschiedensten Kulturen. Zum Beispiel Baba Jaga (slawische Mythologie). Kalliope (griechische Mythologie), afrikanische Mythologie…

Zum Genre: An manchen Stellen schreibt Gaiman puren Horror. Es tauchen auf: Serienmörder, Vergewaltiger, schwarze Magie. Bei ein paar Bildern musste ich wegschauen. Und ich lese den Sandman lieber nicht direkt vorm Schlafengehen, wenn ich seltsame Träume vermeiden moechte.

Der Horror ist nicht so mein Ding, aber was mir umso mehr gefällt, ist der bunte Reigen an Nebenfiguren. Die Anleihen aus der Geschichte, Literatur und Mythologie habe ich ja schon erwähnt. Dann gibt es zum Beispiel noch die Geschwister von Dream – alle zusammen die Endless genannt. Eine meiner Lieblingsfiguren ist seine Schwester Death. Hier ist der Tod kein unheimlicher Sensenmann, sondern eine junge Frau im Goth-Outfit – freundlich und herzlich und irgendwie lebensmunter. Die Menschen, denen sie bei ihrem Tod erscheint, gehen gerne mit ihr. Auch viele andere Nebenfiguren sind mit viel Sympathie gezeichnet und erscheinen einfach menschlich, zum Beispiel das lesbische Paar Hazel und Foxglove, Nachbarinnen von Barbie, der Heldin in A Game of You.

Im Moment bin ich ganz fasziniert von Metafiktion, und auch im Sandman gibt es viele metafiktionale Elemente. Hier nur ein paar Zitate:

„What is this? Some kind of moment of revelation? Like in the books? Is this where I find out I was abused as a child and I’ve been blocking it all these years?“

(Neil Gaiman, The Sandman: A Game of You, New York: DC Comics, 1993)

„You shouldn’t trust the story-teller; only trust the story.“

(Neil Gaiman, The Sandman: Fables and Reflections, New York: DC Comics, 1993)

Das ist etwas, über das ich gerne noch mehr nachdenken würde.

Ach so, und außerdem muss ich beim Namen Sandmann natürich immer an die klassische Erzählung von E.T.A Hoffmann denken. Die ist auch sehr lesenswert und sehr gruselig!

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