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Top 10: Metafiktion

Was ist Metafiktion eigentlich? Meine eigene Definition ist: Bücher, die sich selbst thematisieren und Bücher über das Erzählen. Also: Bücher über Leute, die Bücher lesen oder Bücher schreiben, sowie Bücher über Bücher, die eine wichtige Rolle in Büchern spielen. (Ich muss mich an dieser Stelle entschuldigen. Ich habe im letzten Satz sechsmal das Wort „Bücher“ benutzt.) Die Leserin wird so ständig daran erinnert, dass der Text nur Fiktion ist.

Vielleicht wird das alles klarer, wenn man ein Buch liest, das Stilelemente der Metafiktion benutzt. Hier meine persönliche Top 10-Liste:

10. Scarlett Thomas: The End of Mr Y (auf Deutsch: Troposphere)

Warum ist es Metafiktion? Die Handlung beginnt, als die Erzählerin Ariel Manto die einzige Ausgabe eines für verschollen gehaltenen Buches findet: The End of Mr Y...  und dieses Buch beinhaltet ein Rezept dafür, wie man in die Troposphere reisen kann, einem mystischen Ort, der die Verbindung zwischen dem Bewusstsein aller Menschen ist.

9. Umberto Eco: Der Name der Rose

Warum ist es Metafiktion? Erstens: Das Buch gibt sich als Aufzeichnung wahrer Ereignisse aus. Es geht soweit, dass sogar am Anfang ein Vorwort steht, in dem der „Finder“ der angeblich mittelalterlichen Handschrift erklärt, wie ihm der Text in die Hände gekommen ist. Zweitens: in der Handlung selber geht es unter anderem um ein verschollenes Manuskript von Aristoteles – verbirgt es sich in dem mittelalterlichen italienischen Kloster, in dem der scharfsinnige britische Mönch William von Baskerville und sein junger Schüler Adson von Melk versuchen, einen Mordfall aufzuklären? Drittens: William von Baskerville und Adson?! Wer denkt bei diesesm Paar und diesen Namen nicht sofort an den berühmtesten britischen Dektektiv und seinen Assistenten…?

8. Jasper Fforde, The Eyre Affair (auf Deutsch: Der Fall Jane Eyre)

Warum ist es Metafiktion? Die Handlung spielt in einem Paralleluniversum, in dem Literatur überall ist: literarische Figuren werden wie Pophelden verehrt, es gibt literarische Detektive, die Fälschungen von zum Beispiel Shakespeare-Werken auf den Grund gehen, und vor allem: die Hauptfigur Thursday Next kann sich mitten in die Handlung von literarischen Werken begeben, so zum Beispiel in den titelgebenden Roman Jane Eyre von Charlotte Brontë.

7. Cornelia Funke: Tintenherz

Warum ist es Metafiktion? Weil es in der Welt von Tintenherz Menschen gibt, so wie die Hauptfigur Meggie und ihren Vater Mo, die sich in die Handlung von Büchern hineinlesen können und im Gegenzug anderen Menschen herauslesen können. So zum Beispiel aus dem Buch Tintenherz (siehe Titel!), hinter dem, so lernen wir bald, eine Bande von üblen Gesellen her ist.

6. Susanna Clarke: Jonathan Strange and Mr Norrell (auf Deutsch: Jonathan Strange und Mr Norrell)

Warum ist es Metafiktion? Zum Beispiel, weil das Buch voller Fussnoten sind, die ihm einen wissenschaftlichen Anschein geben. Es wird zum Beispiel aus der Biographie einer der Hauptfiguren, Jonathan Strange, zitiert. Überhaupt, Jonathan Strange wird in Fussnoten vorstellt, als er noch lange nicht in der Handlung erschienen ist. Außerdem ist das Buch in einem Stil geschrieben, der uns denken lässt, dass es aus der viktorianischen Zeit stammt – was aber natürlich nicht wahr ist… (Siehe auch hier auf dem Blog.)

5. Alan Moore: Watchmen

Warum ist es Metafiktion? Weil es zum Beispiel einen Comic im Comic gibt: die Geschichte vom Black Freighter. Wenn man vorsichtig aufpasst, sieht man die Verbindungen zwischen den beiden Erzählsträngen.

4. Elizabeth Kostova: The Historian (auf Deutsch: Der Historiker)

Warum ist es Metafiktion? Weil die Handlung sich auf mehreren Ebenen abspielt: es beginnt damit, dass unsere Erzählerin ein altes Buch findet und daraufhin von ihrem Vaters erzählt bekommt, wie er als junger Student eben dieses Buch und die Aufzeichnungen seines Universitätsprofessors gefunden hat. Auf allen drei Ebenen – Erzählerin, Vater und Professor – begeben wir uns mit den Figuren auf eine Suche quer durch Europa, die alle am Ende zum selben Ziel führt. (Das klingt sehr theoretisch, ist aber in Wirklichkeit superspannend. Oh, und Dracula spielt übrigens auch mit.)

3. Michael Chabon: The Amazing Adventures of Kavalier and Clay (auf Deutsch: Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier und Clay)

Warum ist es Metafiktion? Die beiden New Yorker Comicbuchkünstler Joe Kavalier und Sam Clay erfinden den Comicbuchcharakter The Escapist, der Hitler und die Nazis bekämpft. Immer wieder wird die Romanhandlung unterbrochen, um Episoden aus der Comicbuchreihe zu erzählen. Diese Episoden spiegeln die Gefühle und den Eskapismus von Kavalier und Clay wieder, die so ihre eigene Geschichte aufarbeiten (Joe Kavalier floh vor den Nazis aus Europa und musste dabei seine Familie zurücklassen).

2. Carlos Ruis Zafón: Der Schatten des Windes

Warum ist es Metafiktion? Der Erzähler findet im Friedhof der Bücher das Buch Der Schatten des Windes des Schrifstellers Julián Carax. Er ist fasziniert von dem Buch und will mehr über den Autor herausfinden. Ein vermummter Mann kommt in den Buchladen seines Vaters und drängt ihn, ihm das Buch zu verkaufen. Der Erzähler weigert sich. Der vermummte Mann ähnelt einer Figur aus dem Buch… dem Teufel. Im Laufe der Zeit vermischen sich Realität und Fiktion: Das Leben des Erzählers wird mehr und mehr zum Spiegelbild des Lebens von Julián Carax. (Siehe auch hier auf dem Blog.)

1. Michael Ende: Die Unendliche Geschichte

Warum ist es Metafiktion? Unser junger Antiheld, Bastian Balthasar Bux, stiehlt ein Buch, fängt an, darin über die Abenteuer von Atréju in Phantásien zu lesen, und endet schließlich selber dort, in der „Unendlichen Geschichte“. Übrigens: Obwohl ich e-books gerne mag, lese ich dieses Buch lieber als echtes Buch.  Warum? Weil das gedruckte Buch selbst ein Teil der Leseerfahrung ist: die Handlung, die in unserer Welt stattfindet, ist in grün gedruckt. Die Handlung in Phantásienist in rot gedruckt. Als Bastian nach Phantásien reist, wird auch seine Geschichte rot. Und noch interessanter: das geheimnisvolle Buch, in das Bastian eintaucht, heißt Die Unendliche Geschichte und hat zwei Schlangen auf dem Einband, die ineinander verschlungen sind. Und das tatsächliche Buch, das die Leserin liest… heißt auch Die Unendliche Geschichte und hat zwei Schlangen auf dem Einband…

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Top 10: Comics für Anfänger

Irgendwann habe ich angefangen, mich mit Leuten anzufreunden, die Comics lesen. Und irgendwann habe ich angefangen, selber auch Comics zu lesen. Zuerst aus Neugierde. Und dann habe ich gemerkt, dass man mit Comics ganz tolle Geschichten vermitteln kann.

Comics

Was ich als erstes gelernt habe: Comics bedeutet nicht gleich Superhelden. Und: Erwachsene sagen graphic novel, nicht comic book. Aber ich finde, Comic ist Comic, also bleibe ich bei dem Wort. Ich bin immer noch eine Comic-Anfängerin, aber lerne stetig dazu (danke, Stadtbücherei!). Hier sind meine persönlichen Lieblingscomics – vielleicht auch für andere Einsteigerinnen in das Genre geeignet:

1. Alan Moore, Watchmen

Dieses Buch hat alles auf den Kopf gestellt, was ich über Comics gedacht hatte. Eine epische Geschichte, ein ganz anderer Blick auf Superhelden, unglaubliche Details (das symmetrische fünfte Kapitel – unbedingt genau anschauen!), und die große Frage: Who watches the Watchmen?

2. Marjane Satrapi, Persepolis

Eine Geschichte vom Aufwachsen im revolutionären Iran und in Österreich. Eine Freundin, der ich das Buch geliehen hatte, hat einmal gesagt, dass ich sie an die junge Heldin, Marjane, erinnere. Ich habe so meine Zweifel, ob es stimmt, aber es war ein ganz großes Kompliment für mich.

3. Neil Gaiman, Sandman

Eine fantastische Geschichte mit Anleihen aus Mythologie, Religion und Literatur. (Siehe auch hier auf dem Blog.)

4. Art Spiegelman, Maus

Die Geschichte eines Holocaustüberlebendens und gleichzeitig der Beweis, das Comics auch das ernsteste Thema von allen behandeln können – und ihm gerecht werden können.

5. Alison Bechdel, Fun Home. A Family Tragicomic

Die Geschichte einer Tochter-Vater-Beziehung und vom Aufwachsen in einer amerikanischen Kleinstadt, und gleichzeitig die Geschichte eines Geheimnisses. (Siehe auch hier auf dem Blog.)

6. Jeph Loeb, Batman. The Long Halloween

Die Geschichte spielt über ein Jahr hinweg und stellt uns alle die großen Batman-Schurken vor: der Joker, die Scarecrow, Poison Ivy und so weiter. Batman schließt einen Pakt mit Commissioner Gordon und Staatsanwalt Harvey Dent… aber ist Harvey Dent wirklich sein Verbündeter? Wunderschöne, dunkle Bilder von Tim Sale, die genau die Stimmung des Buches wiedergeben.

7. Bastien Vivès, Polina

Bezaubernd schöne schlicht gezeichnete Geschichte um eine junge Ballerina, die ihren eigenen Weg im Leben sucht und findet. (Siehe auch hier auf dem Blog.)

8. The Killing Joke

Eine Batman-Geschichte von Comic-Großmeister Alan Moore. Kurz und knapp, kann man also gut an einem Nachmittag durchlesen. Das Comicbuch für jede, die wissen wollte, wie der Joker zu seinem Namen gekommen ist.

9. Robert Kirkman, The Walking Dead

Was wäre, wenn wir eines Tages aufwachen und die Welt von Zombies bevölkert ist? Purer Horror und die Grundlage für die gleichnamige US-amerikanische TV-Serie.  Ich muss dazu sagen, dass ich erst die ersten beiden Bände gelesen habe.

10. Joss Whedon, Astonishing X-Men

Joss Whedon schreibt nicht nur Fernsehserien (Buffy) und Filme (Avengers Assemble), sondern hat auch eine Reihe von X-Men Comics herausgebracht. Mit fehlte ein wenig Hintergrundwissen, da ich nur die X-Men-Filme kenne, Whedon sich aber auch auf Plots aus früheren Comics bezieht. Das hat dem Spaß, den ich beim Lesen hatte, aber nur wenig geschadet.

Comics

Das war also meine Liste. Wie gesagt, eine Anfänger-Liste. Was ich gerne noch lesen möchte: Mehr Superhelden-Comics, zum Beispiel aus dem Marvel-Universum. Als erstes fällt mir da Spiderman ein. Und außerdem mehr von Alan Moore, zum Beispiel V for Vendetta. Mehr Neil Gaiman, natürlich. Und Comics in anderen Sprachen als Englisch, zum Beispiel von Autoren wie Guy Delisle und Joann Sfar. Es bleibt also spannend!

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Top 10: Beste Literarische Schurken

Literarische Schurken gibt es wie Sand am Meer. Hier ist meine persönlichen Top 10-Liste der literarischen Schurken, entweder weil sie besonders angsteinflößend, böse, unterhaltsam oder gar lustig sind. Die Liste ist eine Mischung aus meinem neusten Lesestoff und ein paar „zeitlosen“ Schurken.

10. Macbeth und Lady Macbeth in Shakespeares Macbeth… weil diese beiden Figuren in der Kombination zusammen tödlich sind. 

9. Der Räuber Hotzenplotz von Otfried Preußler… weil ich ja schließlich auch lustige Schurken versprochen habe. Und weil er ein großer Teil meiner Kindheit war!

8. Dracula in Bram Stokers Dracula… weil er der archetypische Bösewicht ist und die Figur einen riesigen Einfluss auf Kunst und Kultur hatte.

7. Gmork in Michael Endes Die Unendliche Geschichte… weil ich als Leserin die Spannung nicht aushalten kann zu lesen, wie Gmork Atreju unerbittlich verfolgt, ohne dass dieser davon weiss. Weil er die Gestalt gewordene Finsternis ist. Und dann auch noch der showdown im Gelichterland: „Noch über den Tod hinaus war das Böse in ihm mächtig.“

6. Das Haus in Stephen Kings The Shining… weil es das pure Böse ist. Und weil außerdem leere Hotels mitten im Gebirge schon unheimlich genug sind, ohne dass übernatürliche Kräfte ins Spiel kommen.

5. Ursula Monkton – Wurm, Kindermädchen, Monster – in Neil Gaimans The Ocean at the End of the Lane… weil sie überall und schier allmächtig ist und alle Kindheitsängste in sich vereint.

4. Ramsay Snow (Roose Boltons Bastardsohn) in George RR Martins A Song of Ice and Fire-Zyklus… weil er der schlimmste Sadist ist, dem ich je auf den Seiten eines Buches begegnet ist. Drei Wörter nur: Armer Theon Greyjoy.

3. Franz Moor in den Friedrich Schillers Die Räuber… weil keine Figur so wie er vom Selbsthass zerfressen ist. Mein Lieblingszitat: Franz, die Kanaille. Obwohl er mir – ungeliebt von allen – schon ein wenig leid tut. Meine Hauptfigur in meinem derzeitigen Manuskript spielt übrigens Franz Moor in einer Theateraufführung, schon deshalb fällt er mir immer ein, wenn ich an Bösewichter denke.

2. Die schwarzen Reiter in JRR Tolkiens Lord of the Rings… weil sie viel unheimlicher als Erzbösewicht und Widersacher Sauron selber sind. Als ich das Buch vor vielen, vielen Jahren zum ersten Mal gelesen habe (vielleicht war ich ein oder zwei Jahre zu jung…), wollte ich es nicht über Nacht in meinem Zimmer haben!

1. Snape in JK Rowlings Harry Potter… .. weil er eine meiner literarischen Lieblingsfiguren ist und ausserdem ein (bis ganz zum Ende unerkannter) tragischer Held! Eigentlich finde ich gar nicht, dass er das Label „Schurke“ verdient… aber, hey, das hier ist meine Liste, also kann ich auch Nicht-Schurken auflisten.

Und? Wer sind eure Lieblingsschurken?

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